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Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde · 1910-01-01 · 1 (1910) · p. Seite 146

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Journal
Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
Volume
13 (1910)
Issue
1 (1910)
Date
1910-01-01
Page
Seite 146 (sequence 170)
Language
German
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— 146 — 49, a. Oi, a Churb'n af mir (großes Unglück). b. Ich gei schein (schon) vun erst'n Churb'n on (sehr lange, schon seit der Zerstörung des ersten Tempels). [Eine Jüdin ging sehr hastig in einem menschenleeren Quergäßchen und, über sich ärgerlich, schrie sie: „Oi, a Churb'n af mir!" Sie ging weiter und schrie wieder: „Oi a Churb'n af mir!" Zufälligerweise ging die ganze Zeit hinter ihr Motke Chabad, der bekannte Witzbold. Als die Frau sich umwandte und zu ihrer großen Ueberraschung einen unbekannten „fainen Jüdn" (einen Herrn) vor sich sah, fragte sie ihn: „Reb Jüd, Reb Jüd (lieber Herr), geit ihr schein lang do?" — „Oi, Muminke" (0, Täntchen), lautete die Antwort des Unbekannten „schein seier lang, noch vun dem ersten Churb'n on". (Seit der Zeit des ersten Tempelfalles)]. -50. Dos teig (taugt) af zehn Kapores (taugt garnichts). [Motke Chabad wurde von Apatow, seinem Gönner, beauftragt, Hühner und Hähne, ungefähr zwanzig Stück, zum „Kapores- Schlagen" zu kaufen und bekam dazu eine bestimmte Summe Geldes. Motke Chabad, ein armer Schlucker, verwandte das Geld auf seine nötigen Hausausgaben und brachte seinem Gönner nur ein mageres Hühnchen und ein ebensolches Hähnchen. — „Sind denn das zwanzig Kapores?" fragte verwundert Apatow. — „Jawohl", lautete die Antwort, „dies taugt af zehn Kapores, und das taugt af zehn Kapores — da haben Sie zwanzig Kapores". „Af Kapores teig'n" oder „af zehn Kapores teign" drückt nämlich den Sinn aus: Das taugt gar nichts, ist zu nichts nütze]. 51. A Gaslen al pi din w'jeischer. (Ein Räuber nach Gesetz und Recht.) [S'is giforn durch'n Wald a reicher Sseicher (Kaufmann) mit avule Gelt. Plutzling (plötzlich) is arojsgisprungen a-Räuber un sogt zu ihm: Bruder, du mußt mir obgeb'n daine Gelt; dos kummt mir al pi jeischer. Varsteist'e mir, Bruderke (Brüderlein)? Du bist doch af der Trai un ich bin doch nebach (vom kleinruss. Worte HeÖora neboga) in Wald, ich muß doch sach bahalt'n vun Lait'n (ich muß mich verstecken vor den Leuten und ihren Verfolgungen). A Breire hot men? (Gibt es da einen Ausweg?) Der Sseicher hot sach, nebach, ojsgibaitlt bis die letzte Kopike. As der Gaslen hot dos Gelt zuginumen, sogt er zum Sseicher: Bruderke, du musst mir obgeb'n daine alle Sach'n (Kleidung). Varsteist'e mir? Ich bin nebach in Wald, wu könn ich keif'n a Beged (Gewand)? Du weinst (wohnst) doch in Stot (Stadt), kennst doch keif'n andere Bgodim. — Nu, kenn men besser mach'n? Der Sseicher, nebach, schwaigt. Der Gaslen hot vun em arobginumen (entkleidete ihn) bis a Hör (gänzlich) un hot'm gilosn heil, wie die Marne hot em gihot (und ließ ihn nackt wie aus dem Mutterleibe). Izt (jetzt) mußt'e mir obgeb'n daine Charz (Lebensmittel). Ich bin doch in Wald, bahalt sach vun Menz'n (Menschen): ich tor doch in Stot nit klimmen, du west'ir (wirst dir) in Stot keif'n

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