Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Journal
- Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Volume
- 13 (1910)
- Issue
- 1 (1910)
- Date
- 1910-01-01
- Page
- Seite 145 (sequence 169)
- Language
- German
- Belongs to
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— 145 — scherzend „für Geld ist es keine Kunst, Wein zu holen, zeige mir, daß du auch ohne Geld es tun kannst,44 und befahl ihm wieder, um Wein zu gehen, ohne ihm Geld mitzugeben. Der Knabe nahm die Flasche und' ging weg. Zum Kiddusch stellte der Knabe eine leere Flasche auf den Tisch. — „Kann man denn", fragte der bestürzte Vater, „ohne Wein Kiddusch machen"? Hierauf der Knabe: „Ist es denn ein Kunststück, über Wein Kiddusch zu machen? Zeige, daß du auch ohne Wein Kiddusch machen kannst!" Eine andere Variante: „Kann man denn, fragte der Vater, „aus einer leeren Flasche Wein schenken?" „Nun", sagte der Knabe, „ist es denn ein Kunstück, aus einer vollen Flasche Wein zu schenken? Zeige, daß du aus einer leeren Flasche Wein zu schenken verstehst!" 47. Rosche mrosche (Bösewicht, des Bösewichts Sohn) Meische mrosche (aus: HtöhlO nt£>D). [Eine unwissende Jüdin las die Morgengebete und machte folgenden Absatz: (5. B. Mos. 33,4) üpy1 n^Plp — n&nto HEfa ms mW im Sinne: Meische mrosche (Mosche, des Bösewichts Sohn). Als man sie fragte: „Ist es denn möglich, daß Mosche Rabbenu ein Roscho war?", antwortete sie naiv in klagendem Ton: „Nun ja, wir hatten doch einen „Homon horosche", der gab uns Purim, und wir Frauen wern varschwarzt (quälen uns) einen Tag damit. Meische mrosche (Mosche, noch böser) gab uns Peissach und wir wern varschwarzt a ganzn Cheidesch" (quälen uns ganze acht Tage und lange vorher)]. (Mitget. v. selig. Herrn Pinchas Wahrhaftig ausSsuwolki-Rohatschew). 48. A karger Jüd (ein Greizhals) hot ginummen an Eirach af Schabbes. Bai der Wetschere (beim Abendmahl) gießt er on a Teller vun die beste Supp' im stellt leb'n (neben) sich un sogt derbai (dabei): Odom korew ejzel azmei (Talmud Sanhedrin 9,= jeder ist sich selber der Nächste). Die zweite Teller eich die gidichste im die beste hot er ongigossn far sain Waib im sogt derbai a Possik tt^K 2i>P p yj (td "2 rw*ra) inx ibc"? "nm )rw$2 p:m ick n*o Mann und Weib sind ein Leib). Dernoch giesst er on a vule Teller die gidichste (die beste) un git die Kinder saine un sogt derbai (f*> ,Y'p D^nn) €M2 hy nn-D [Wie] Ein Vater hat Mitleid mit seinen Kindern (Ps. 103,13). Var dem Eirach is giblibn heile Wasser (dünne Suppe). Der Balebos (Baal habajs) hot ongigossn a Teller dem Eirach. Der Eirach hot ginumen die Teller Supp un hot obgigossn dem Balebos die ganze Kopp un hot derbai eich (auch) zugipasst a Possik (er wandte einen passsenden Vers an): DniDtO VOfhy Tlp-ffi (nr'2 -rt ^spiIT): Ich werde sie mit reinem Wasser besprengen (Ezech. 36,25). ^Mitgeteilt von Herrn Gutmann aus Zarskoje-Selo, auch Kowno im Jahre 1886.)