Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Journal
- Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Volume
- 13 (1910)
- Issue
- 1 (1910)
- Date
- 1910-01-01
- Page
- Seite 144 (sequence 168)
- Language
- German
- Belongs to
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— 144 — Golil-Row hot sei vorgileigt, jeder vun sei sol gischwind sogn a Possik un riochn Possik (aus dem Sinne des Verses) wet er varstein, wemen vun sei darf men gicher zuhorn. Der Row hot gisogt: Rochasch libbi dowor tow (Psalin 45,2),. Ro-cha=sch Raw, hernach Chasan und zuletzt Schames. Der Schames hot gisogt: Schachar kamti l'heideis Peho, Scha=cha-r zuerst Schames, hernach Chasn un zuletzt Row. Der Chasn hot nit gefunen kin Possik un hot a Sog giton; Cheresch scheite w'koton (Tauber, Dummer und Unmündiger), Ghe=re=sch Chasn, Row, Schames. (Mitgeteilt von Herrn Rubinstein aus Czenstochow-Polen). 41. Farwos hot Jeissef peisser giwen dem Ssar hamaschkim gut dem Cholim un dem Ssar hoeifim schlecht? — Antw.: Wos steit bain Ssar hamaschkim? — Wajssaper (er hat erzählt, [nach dem Russ. auch =] bezahlt, er bestach ihn). Bain Ssar hoeifim steit: wajeimer (= er „sagte", er versprach nur, er gab nichts, er bestach nicht). Charakteristik mancher Polizei: man muß von der ersten Minute an nicht sagen, nicht versprechen, sondern schnell bezahlen. (In Jrkutsk von Herrn Hamburg aus Slonim, Gouv. Grodno). 42. Wos macht an alter Mann, as er hot Chassene (heiratet) af a junge Waib? Antw.: Er macht Jesseimim (Waisen). (Von meiner seligen Mutter in den Kinderjahren). 43. Wu weint ihr? Wu weint a Jüd? — Antw : Wu mi schlogt mir (mich) (em ihn). Wortspiel weinen auch wohnen. Die Juden wohnen, wo man sie schlägt, und wo sie wohnen, dort schlägt man sie. 44. Wos sait ihr (ein Kohen, ein Lewi oder Jisroel)? Antw.: a) A Gornischt (zweideut. nicht ein Kohen, kein Lewi, sondern ein Israel; auch ein Taugenichts). b) A Posche Jisroel (ein schlechter Jude). Wortsp. ein poscheter Jisroel, nichtKohen, nicht Levi, sondern ein einfacher Israel. 45. Ich freg doch bai keinem nit. [Ein orthodoxer Jude fragte einen Reformrabbiner, ob man nach dem jüdischen Ritualgesetz sich rasieren lassen dürfe. Die Antwort lautete „nein." Wie groß war nun die Verwunderung des Orthodoxen, als er ein wenig später den Rabbiner sich rasieren sah. „Warum rasieren Sie sich?" fragte er erstaunt, „Sie sagten doch, daß es nicht erlaubt sei?" — ..Darum" lautete die Antwort, „weil ich doch niemanden fragte." Aehnliches wird vom Haarschneiden an Chol ha-moed erzählt, so in Hamburg vom Chacham Bernays]. 46. Als Reb Jeiniss'l Präger (Rabbi Jonathan Eibeschütz) noch ein kleiner Knabe war, gab ihm sein Vater an einem Erew-Schabbes eine Flasche, um Wein zum Kiddusch zu kaufen, doch gab er ihm kein Geld mit. Der schlaue Knabe nahm ruhig die Flasche, ging weg und brachte sie leer ohne Wein zurück. Der Vater fragte: „Wo ist der Wein?" Darauf antwortete der Knabe: „Da hast mir doch kein Geld gegeben!" „Nun", sagte der Vater