Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Journal
- Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Volume
- 13 (1910)
- Issue
- 1 (1910)
- Date
- 1910-01-01
- Page
- Seite 142 (sequence 166)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 91% known words query
- IRI
…/2638044-2638092-2638093--1004-2640851- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
— 142 — niemanden schlafen läßt, sagt er: „Was ist denn los? Ich singe doch nicht für euch, sondern nur für mich]." 24. Mi hot mir varbit'n (vertauscht). [Ein häßlicher Dummkopf bemerkte einmal, daß er von Geburt ein sehr hübsches Kind gewesen sei, nur habe man ihn unglücklicherweise mit einem häßlichen Kinde vertauscht]. 25. Man drückte einmal Motke Chabad (bekannter Wilnaer Witzling, gest. 1872?) die Bewunderung aus, daß er sehr verjüngt aussehe. „Das ist sehr einfach," antwortete Motke, „es ist kein Wunder; ich habe eine Zore-Frau (böse Frau), sie nimmt von mir Halbjobren ab (verkürzt meine Jahre) und darum sehe ich jung aus" (ich trage nur die Hälfte meiner Jahre). 26. Wie heißt der BärgT? (Wie nennt man diesen Hügel? aber auch: Was befiehlt dieser Hüg,l?) — Antw.: Der Bärg'l heißt: gejn zufuss. 27. In den zehn Plagen liest einer anstatt 21V (Gewild): IHK und anstatt rD"W (Heuschrecken): J?31K( Lehrer), d. h. ein Row und ein Rebbe (chassidischer Rabbi oder: ein Talmudlehrer) sind auch Plagen. 28. Wer is gewes'n der erste Schadehen? — Elieser (Abrahams Diener). 29. Wie vun Omed (Vorbeterpult) glaich zur Awejre (Sünde). [Ein frommer Jeschuwnik (Dorfjude) wollte sich persönlich überzeugen, auf welche Art die Bäume ihr Neujahr, den Chämischo ossor b'schwat feiern. Er ging in den Wald hinaus. Der Wind im freien Felde heulte seine melancholischen Winterlieder. Die Bäume waren hoch mit Schnee bedeckt und ihre Zweige neigten sich unter der Last tief zur Erde. Der fromme Mann wurde im innersten Herzen ergriffen. Der rauschende und singende Wind, dachte er, das ist der betende und singende Chas'n, die Bäume, das sind Kohol (die Betenden), der Schnee auf den Zweigen, das sind die Taleissim (Gebetmäntel) und Kittel, das Nicken der Zweige das ist das Mojdim (Niederknien) und Keirim (Niederfallen zum Beten) der betenden Bäume. Ach, wie herrlich, wie prächtig und Andächtig! Befriedigt kehrte er nach der Stadt zurück. Unweit der Stadt begegnete ihm ein altes Weib mit einem Eimer Wasser. Der Wind wurde stürmisch, warf das schwache keifende Weiblein um. Der fromme Jeschuwnik war mit einem Schlage in die nüchterne Wirklichkeit zurückversetzt. Entrüstet wandte er sich ab und rief, in seiner Andacht so plötzlich gestört: Kaum vom Omed und schon zur Awejre (Poesie und Prosa)]! 30. Äni omai-ti b'chofsi b'schalwi. [Ein Maggid (Wanderprediger) prahlte, daß er schon in vielen Städten die Ehre zu predigen gehabt, so zum Beispiel in Chofsi, in Schalwi (Ps. 31,23 und sonst, Wortspiel wie oben No. 13)]. 31. Farwos is a Mitte (Totenbahre) mit zwei Füss' un a Chupe (Trauzelt) mit vier Füss? — Antw.: Do begrobt men einem