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Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde · 1910-01-01 · 1 (1910) · p. Seite 141

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Journal
Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
Volume
13 (1910)
Issue
1 (1910)
Date
1910-01-01
Page
Seite 141 (sequence 165)
Language
German
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— 141 — essen; beim Mittagessen ein anderer Terez (Ausflucht) und so immer und überall]. (Mitgeteilt von Herrn Maggid aus Dinaburg, Dwinsk, Gouv. Witebsk.) 13. SchoFm aleieh'm! Vun wannen is an-Orimann? (Wober sind Sie, armer Mann)? — Antw.: Vun Geislei. S'is doch a b'feirischer Possik (Vers Psalm 35,10): W'oni w'ewjojn mi'geislei. („Du rettest den Armen und Dürftigen von seinem Kaub er % hier: „aus Geislei"). (Gehörtin meinen Kinderjahren inNowogrudekvondenChederknaben.) 14. Er wert nisspoel wie a Jown (ein russischer Soldat) vun Ssliches (von den Bußgebeten, d. i. es macht auf ihn keinen Eindruck). 15. Zwei Jekum purkons (iron. zw^ei wichtige Personen!). 16. A Kochlöfel! (ein Mensch, der sich in alles und überall hineinmischt). 17. A Stück Fleisch mit zwei Eig3n (Augen). 18. S'is ganze Chiduschim (Neuigkeiten). 19. Varwos (warum) sogt men: schikker (betrunken) wie Leit (Lot) im nit schikker wie Neich (Noah)? — Antw.: Bei Neiachn seinen giwen Kinder schein oisgegebene, hot er gimogt trinken. Ober Leit hot doch gihot greisse Moid'n (unverheiratete Töchter) un em liegt noch in Kopp zu schikkern! (Mitgeteilt von Herrn Chasanowitsch, Süd-Kußland.) 20. Jos'*l nem mir zu; die Mischpoche (Familie) is far mir zu greiss. [Ein armer Jude wollte das Christentum annehmen. Er kam zum Geistlichen und der fing an, ihn in dem neuen Glauben zu unterrichten. Er zählte dem Juden jeden Heiligen mit seinem Namen auf. Und um die vielen Namen der Heiligen dem Gedächtnis des Juden fest einzuprägen, gab er ihm jedesmal einen Hieb mit einer Peitsche. Da schrie der Jude seinem Kameraden, der in der Nähe war, zu: Ei, Joss'l, führe mich weg von hier! Es geht nicht. Die Familie ist mir zu groß!"] (Vgl. Bernstein 2407.) 21. Wie geit dos (wie gehts, wie stehts)? — Antw.: Wie a Zaddik (einem rechtschaffenem Manne) af der Welt (hier auf Erden, d. i. sehr schlecht). 22. Haintige Zaif'n is Bonim (Söhne, Kinder) eich (auch) a Make (eine Plage). Vgl. Bernstein 2266. [Ein alter, halbblinder Jeschuwnik (Dorfjude, unwissender, naiver Mann) liest in der Pesach-Haggada in der Aufzählung der zehn Plagen anstatt „Kinim" (d^jD Ungeziefer) „Bonim" (Kinder, Söhne) vor. Als man ihn auf den Fehler aufmerksam macht, antwortet er: „Jawohl! In der jetzigen bitteren Zeit sind leider Bbnim (ungeratene Kinder) auch a Makke". (eine Plage)]. 23. Ich sing1 far sich, nit far aich. [Ein Spaßvogel fängt mitten in der Nacht, da alle guten Leute schlafen, auf der Straße laut zu singen an. Als man ihm darüber Vorwürfe macht, daß er Mitteilungen z. jüd. Volkskunde 1910, 4. 10

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