Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Journal
- Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Volume
- 13 (1910)
- Issue
- 1 (1910)
- Date
- 1910-01-01
- Page
- Seite 131 (sequence 155)
- Language
- German
- Belongs to
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Jüdische Sprichwörter und Redensarten aus Rußland. Nach Einsendungen von Rabbiner S. JBeilin, Irkutsk. (Fortsetzung von Heft 33, S. 40.) 22. A teiter (toter) Menz macht kei Krig nit. [Bernstein 1720.] 23. As nit Din, is grob. (Din Gesetz, Recht und dünn, fein.) 24. An orumer Poriz A Row an Amhoorez Un a Goj a Choriz. Einen armen Adeligen, einen unwissenden Rabbiner und einen witzigen Nichtjuden gibt es nicht. Der arme Adelige ist nämlich reicher als der wohlhabendste Jude, der unwissendste Rabbiner ist immer noch ein Gelehrter, und ein Nichtjude kann nicht so schlagfertig und witzig sein, wie ein litauischer Jude (zu sein glaubt). 25. Wer's dreit (dreht), jenem gejt (jenem geht's), d. h. er hat zu tun. 26. Schachne (ein Name) dreit sach (dreht sich oder macht sich bemerkbar), soll man meinen, as du handist. [B. 3807.] 27. A Narrischkeit, wenn es gilt, is eich (auch) a Narrisehkeit. [B. 2508.] 28. A Narrischkeit gedeinkt sich. [B. 2508.] (Die Erklärung der litauischen Juden für die Erinnerungen aus den Kind er jähren.) 29. As (wenn) mi mont Jerusche (Erbschaft), zolt (zahlt) men Kwuregeld. (Das Geld für die Beerdigung.) [B. 2529.] 30. S'is schein (schon) nach alle Hajeims. [B. 1878 ] 31. Arop (herunter) vun Mark. (Es ist schon zu Ende). 32. Er is gekommen zu Oisspajenes (zum Ausspeien, wie es bei den orthodoxen Juden Sitte ist, beim Schlußgebete, da sie den Götzendienst erwähnen, auszuspucken). 33. Dermonen aire Reidn in Nachas (Wonne) un in Freid'n. 34. Dem Pintele (Pünktchen) Jüd (der zehnte Buchstabe) könn men nit oismek'n (ausstreichen). (Dieses wie das folgende Sprichwort will besagen, daß man das Judentum trotz aller Verfolgungen nicht aufreiben kann.) 35. Viel (Wieviel immer) mi (man) raibt nit dem Jüd, der Pünktele Jüd blaibt doch fort. 36. Dieselbe Moidl (Mädchen) nor in an ander Kleidl. 37. Dieselbe Waibl nor andersch geschleiert. [Var. B. 1867.] 38. Der Chasen (Vorbeter) schwaigt und der Oilem (das Publikum) hört. (So sprechen die litauischen Juden verächtlich vom modernen Kantor). 39. „Vun arba misseis besdin" (viererlei Todesstrafen) anstatt „vun arba pinois hooilorn" (von den vier Weltgegenden). 40. A Maidl, as mi macht ihr nit Chassene (Hochzeit), macht sie sich allein Chassene. 41. As och wei is dem teitn Leib (toten Löwen), as of sein Ort is der Hünd. ■