Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Journal
- Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Volume
- 13 (1910)
- Issue
- 1 (1910)
- Date
- 1910-01-01
- Page
- Seite 125 (sequence 149)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Aus dem jüdischen Leben in Oberungarn. Von Xieopold Klein, Religionslehrer in Vägujhely. Als Knaben führte man mich in Gesellschaft von Altersgenossen in das Haus einer Wöchnerin. Dort „leienten" wir Keriath Schema, wofür wir Backwerk bekamen. Zu einem Barmizwa-Mahle buk man einen sehr großen Kuchen. In den steckte man viele dünne Stäbchen, um die Teigstreifen gewickelt wurden. Bei der Feier bekam jeder Knabe, der zu Gaste gekommen war, eine solche „reschige Rute." Mich noch trafen auf den Kopf die Nüsse und Honigkuchenstücke, die aus der Frauengallerie auf den das erstemal zur Tora Aufgerufenen geworfen wurden. Das gleiche geschah dem Bräutigam am Sabbat nach seiner Hochzeit. Barmizwa und Bräutigam hielten selbstverfasste rWH. Als Kinder zogen wir am 1. Chanucka-Abende unter die Fenster der Verwandten und Bekannten, um dort das „Moaus zur" abzusingen. Die „Narren" „reimten" von Ort zu Ort, von Haus zu Haus ziehend an Purim und Chanucka. Die häßlichste Hausfrau wurde apostrophiert: „Wie schön ist ihre Zirre [Gestalt], groß ist ihre Gewure [Tüchtigkeit]." Eines ihrer Lieder, wohl eine freie Ubertragung aus dem Ungarischen oder Slawischen, lautete: Bei dem Schuster, bei dem tollen, hat der Bodrig sehr gebollen, weil der Balbos [Hausherr] hat geschlaufen, ist die Ische [Frau] herausgelaufen. Doch der Bodrig will nicht schweigen, tut nur immer weiter treiben, da muss etwas im Heu drinn' stecken, weil er will den Balbos wecken. Ein beliebtes Liedchen lautete: Schabbes-Abend sagt die Mamme: Sure, tu dich un, ich werde dich führen in den allerschönsten Tanzsalon. Zieh dir nur dein allerschönstes Schabbes-Kladl un. Tomer trifft sich dort e Mun. Dori, Dori, Dei! Wie weh ist mir dabei, e miese Mad aus dem Haus zu patern, Mitteilungen z. jüd. Volkskunde 1910, 4. 8