Mannheim
Compact Memory

Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde · 1910-01-01 · 1 (1910) · p. Seite 122

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
Volume
13 (1910)
Issue
1 (1910)
Date
1910-01-01
Page
Seite 122 (sequence 146)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2638044-2638092-2638093--0984-2640831
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

3 entity mentions

- 122 — Adolf Lewiii, Geschichte der badischen Juden seit derEegierung Karl Friedrichs (1738—1909). Karlsruhe 1909. G. Braun'sche Hofbuchdruckerei, Kommissionsverlag. In nüssiger Darstellung bietet der Verfasser uns ein äußerst gelungenes Bild der Kämpfe um die Emanzipation. Was von Baden gilt, gibt auchiein ungefähres Bild der Kämpfe in den anderen deutschen Landen, wenn auch freilich die badische Judenheit viel zu leiden hatte durch den Haß, welchen der ihrem Lande angehörige Eisenmenger in seinem „Entdeckten Judentum" (S. 2. 69. 71) gesät hat. Lewin berücksichtigt in weitem Maße auch die Kulturgeschichte. Besonders interessant sind die in die Gesetzgebung der badischen Juden eingedrungenen jüdischen Ausdrücke, wie Stores (S. 5), Judenstoke, Sassaras (S. 173). Als Zeichen der Loyalität der Juden finden wir (S. 16) die Mitteilung über eine zur Geburt des Enkels Karl Friedrichs vom Rabbiner Kahn in Sulzburg i. J. 1784 verfasste Hymne, welche aus Bibelversen in deutscher Sprache zusammengesetzt ist. Die Bestrebungen, für die weibliche Jugend die Synagoge zu öffnen (S. 212 u. 216), die Ausrottung des Judendeutsch (257, 319), eine Petition der Frauen und Jungfrauen für den mit Entlassung bedrohten Eabbinen Präger (S. 331) sind interessante Momente für die Kulturgeschichte. Die Einführung der Familiennamen und der billige Spott über jüdische Namen (Spiro) wird S. 135 behandelt. Die Tätigkeit berühmter Glaubensgenossen wird geschildert, S. 229 Jacob Eltlinger, später Oberrabbiuer von Schleswig- Holstein, Oberrat Altmann in Karlsruhe 322, 329, Berthold Auerbach S. 344, Riesser S. 286. Die durchgeführte Emanzipation der Juden wird eingeschränkt (S. 351), als Baden 1870 gezwungen wird, preußischen Traditionen zu folgen. Das Buch enthält eine Fülle von interessanten und neuen Tatsachen und wird der historischen Wissenschaft gute Dienste leisten. Sehr bedauerlich ist es, daß dem Buche ein Inhalts- und. Namenverzeichnis fehlt. Es wäre diese Zugabe, die event. noch nachgeliefert* werden kann, von großem Vorteile für die Benutzung und infolgedessen für die Verbreitung des Buches. Löwenthal. Israel Davidson, Parody in Jewish Literature. New York 1907, Columbia University Press, Leipzig, in Kommission bei Otto Harrassowitz. In Heft XIII dieser Zeitschrift (Jahrgang 1904, No. 1) ist ein Purimspiel von Ahasver und Esther abgedruckt, und in den Bemerkungen, die A. Landau dazu gegeben hat, wird man über das "Wesen der jüdischen Parodie belehrt. Wie dieses Purimstück, so gibt es auch andere, welche die Geschichte des Estherbuches parodieren, und wir verdanken Moritz Steinschneider in seinem Artikel: Purim und Parodie (Isr. Letterbode, Bd. 7 und 9) einen Bericht über 31 derartiger Stücke. Es ist bekannt, daß der italienische Dichter Immanuel ben Salomo in oft. frivoler Weise Bibel- und Gebetstücke mit wahrhaft aristophanischer Ausgelassenheit parodiert, und schon früh haben sich maßgebende Autoritäten gegen diesen Mißbrauch erklärt, wie R. Josef Karo und Samuel Archevolti (1551—1602). Aber nur gegen den Mißbrauch, gegen die obszöne Verwendung von Bibelversen und sonstigen klassischen Steilen der jüdischen Literatur haben diese Autoritäten ihren Unwillen geäußert. Wer auf den Stil des mittelalterlichen Hebräisch achtet, wird häufig eine parodistische Anwendung hebräischer Zitate finden, bei welcher nicht sowohl die Absicht der Persiflage als vielmehr das Streben, einen eigenen neuen Gedanken mit vorhandenen hebräischen Worten auszudrücken vorherrschend ist. Der Musivstii ist oft nicht nur eine mosaikartige Zusammenstellung biblischer Phrasen, sondern zu gleicher Zeit eine witzige Umdeutang bekannter Stellen. Und das Material hierfür bot nicht nur die Bibel, sondern auch Mischna, Talmud und der Schatz der Gebete. - In dem vorliegenden Werke ist zum ersten Male auf die immense Literatur hingewiesen, welche das parodistische Streben jüdischer Literaturen hervorgebracht hat. Mit einem genialen Spürsinn hat der Verfasser gedruckte und ungedruckte Werke, hebräische Zeitschriften und Gelegenheitsschriften durchforscht, er legt uns als das Resultat einen Bericht über nicht weniger als ungefähr 500 Piecen vor, die er kürzer oder ausführlicher beschreibt. Diese Charakteristik einzelner Parodien bildet den 2. Teil des Werkes, der erste sucht eine Geschichte der Parodie in der jüdischen Literatur zu geben. Wir werden über die Bestrebungen auf diesem Literaturgebiete in der talmudischen Zeit unterrichtet. Dann folgt eine Charakteristik dieser Literatur in der Provence und Italien im 14., diesem für die

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.