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Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde · 1910-01-01 · 1 (1910) · p. Seite 121

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Journal
Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
Volume
13 (1910)
Issue
1 (1910)
Date
1910-01-01
Page
Seite 121 (sequence 145)
Language
German
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- 121 — „Wus tüt me mit'n Beegel?" Me macht a Broiche. „Wie asoi heißt die Broiche?" Das gefragte Kind sagt den betreffenden Segensspruch auf.. Bücherschau» Rabbiner S. Beilin, Wandernde oder allgemeine Er Zählungen und Sagen in der altrabbinischen Literatur. Jrkutsk, 1907. VI und 351S Russisch. Ein Werk, das von großer Quellenkunde auf dem gesamten Gebiete der. Weltliteratur zeugt und das jedem Leser, wenn er auch Laie ist, durch seine weiten Perspektiven wahre Genüsse bieten muß. Über die Fülle des Inhalts läßt sich nicht kurz referieren. Besonders für den deutschen Leser wird die Stelle interessant sein, wo Beilin den Nachweis liefert, daß die bekannten Heineschen „Grenadiere" in einer Stelle des jerusalemischen Talmuds (Kelaim 1) ihr Vorbild haben. Es wird dort nämlich von einem Eabbi erzählt, der seinen letzten Willen folgendermaßen ausdrückte: „Wickelt mich (nach dem Tode) in mein weißes Kleid ein, legt mir meine gewöhnliche Kleidung an, meine Füße sollen beschuht sein, gebt mir meinen Stock und legt mich auf die Seite, damit ich bereit sei, wenn der Messias kommt." Beilin glaubt, daß Heine diese Stelle bekannt war, und will sogar in den Grenadieren eine Anspielung auf die jüdische Geschichte sehen. Dr. S. Weissenberg. M. Philippson5 Neueste Geschichte des jüdischen Volkes. Bd. IL Leipzig 1910, Gustav Fock. (Schriften, herausg. von der Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaft des Judentums.) Der Verfasser hatte mit der nicht zu unterschätzenden Schwierigkeit zu kämpfen, über wichtige Kapitel das Material aus privaten Mitteilungen schöpfen zu müssen. Ein Maßstab für Prüfung auf Objektivität und Gründlichkeit wird da leicht illusorisch. Aber auch solche Berichte haben ihre Berechtigung. Für die jüdische Volkskunde hat das Buch jedenfalls« den großen Wert, daß es den ganzen Kreis jüdischer Ansiedelungen in den entlegensten Ländern unter seinen Gesichtswinkel bringt und über die einschlägigen Fragen orientiert. A. P. Hans Meinhold, Sabbat und Sonntag. Leipzig 1909. Quelle u. Meyer. Geb. Mk. 1,25. 117 S. 8°. Eine richtige Schilderung des jüdischen Sabbats hätte der Verfasser, der in der Literatur, natürlich der nichtjüdischen, sehr bewandert ist, in Steinthals gesammelten Schriften S. 181 ff. finden können. Dort heißt es: „Was der Sabbat den Juden ist, könnte vielleicht ein Christ aus dem erschließen, was ihm der Sonntag ist... Die sicherste Quelle aber, um das religiöse Gemüt zu erforschen, ist allemal der Kultus, und vorzugsweise das Gebet. Was zeigen uns die jüdischen Sabbatgebete?" usw. Diese Quelle hat der Verfasser nicht benutzt, dafür aber hat er, in den Fußtapfen Schürers wandelnd, reichliche Auszüge aus der Mischna gebracht, ohne zu ahnen, daß der Zweck dieser Abhandlungen der Mischna nur der ist, den Begriff „Arbeit" zu definieren und juristisch zu umschreiben. Welche Quellen aber führt Meinhold sonst an, um den Sabbat zu kennzeichnen? Er läßt sich weismachen, daß russische Juden heute noch auf der Eisenbahn bei Anbruch des Sabbats aus einer mitgebrachten Flasche in ein Gefäß Wasser gießen, um ihre Füße dareinzustellen und sich also die Vorstellung zu erwecken, daß sie zu Wasser reisen, — denn solche Reisen seien ja erlaubt. (S. 48.^ Ferner: „Eine Petersburger Geschichte berichtet: Ein junger Jude, der bei der Feier der langen Nacht einige vom Feuer der Lichter ergriffene Frauen auf die Erde warf, herumwälzte und also durch Erstickung der Flammen vor dem Feuertod bewahrte, wurde, so verlautete, aus der Synagoge ausgestoßen, weil er den Feiertag entweiht hatte." (S. 44.) Die Schrift ist leider, wie so viele derart, keine unparteiische Studie. Es ist mit Freuden zu begrüßen, wenn auch christliche Gelehrte jüdischen Gegenständen ihr Interesse zuwenden, aber dazu ist die nötige Vorbedingung: gründliche Vertrautheit mit den Quellen. A. Löwenthal.

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