Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Journal
- Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Volume
- 13 (1910)
- Issue
- 1 (1910)
- Date
- 1910-01-01
- Page
- Seite 96 (sequence 120)
- Language
- German
- Belongs to
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— 96 — janitern mit Schlägen davon losgerissen; die Brüder bringen vor Jakob einen Wolf, der Josef zerrissen haben soll, der Wolf beteuert aber in menschlicher Sprache seine Unschuld und wird von Jakob in Güte entlassen; Josef und Selichas Liebeshandel schildert das Sefer ha-jaschar nach der arabischen Legende, die (vgl. Jew. Enc. i. c.) in den Hauptpunkten aus rabbinischen Quellen schöpft. Die Unschuld Josefs wird nach dem Sefer ha-jaschar (wie in Firdussis „Jussuf und Suleicha", deutsch von Schlechta-Wssehrd S. 145) durch Suleikas unmündiges, plötzlich redebegabtes Kind, das Zeuge jener Szene gewesen war, vor den Richtern bewiesen. Als Josef Benjamin zurückbehalten will, geben die Brüder, insbesondere Juda, nach dem Sefer ha-jaschar Manasseh, Proben ihrer Riesenstärke, mit der sie für den Fall der Weigerung Josefs Aegypten bedrohen*, Serach, die Tochter Aschers, bereitet Jakob auf die glückliche Wendung seines Schicksals vor (Sefer ha-jaschar, danach in J, H. Kohns Bibel- und Talmudschatz 1865, S. 159); sie wacht an Josefs Sarg, sie zeigt in der Erlösungsstunde Mose die Stelle, wo man ihn versenkt hat. Wie sich Josef zuerst Benjamin zu erkennen1) gibt, besingt Firdussi (a. a. 0. 215). Die — meist wohl nach dem Sefer ha-jaschar bearbeiteten — Josefspiele, wie sie noch heute in der Ueberlieferung des Volkes leben, zu sammeln, erweist sich als eine lohnende Aufgabe für den Folkloristen schon aus dem ersten Versuch, den wir Herrn Dr. S. Weissenberg in Elisabethgrad (Südrußland) verdanken. Die von ihm eingesandte Niederschrift (hebr. Kurrent) geben wir im Folgenden wieder. In der Transkription ist die gleiche Regel wie für „Das Purimspiel von Ahasverus und Esther" im 13. Hefte unserer „Mitteilungen" befolgt worden: möglichst genaue Wiedergabe des geschriebenen Textes. Konzessionen an die moderne Schreibweise sollen dem leichteren Verständnis dienen. Die Mundart ist auch in diesem Stück so wenig wie in jenem einheitlich gewahrt. Gewiß blickt auch hier an vielen Stellen, wo das Hochdeutsche vorherrscht, eine Vorlage in dieser Sprache durch. Wendungen, wie: „lassen Sie mir herein" (I. Akt, 5. Szene) oder „blaben Sie frisch ind gesind" (II. Akt, 1. Szene), sind an den betreffenden Stellen mit Absicht gewählt. Das Stück enthält im ganzen 30 Auftritte. Zunächst ersucht der Pojaz um Aufmerksamkeit. Er beginnt mit einer Genalogie Jakobs und seiner Söhne, die aber schon nach Abraham abbricht. Die eigentliche Handlung läßt sich ohne Zwang in 5 Aufzüge zu je 6 Szenen gliedern. I. Akt: 1. Jakob schickt einen Diener (um Schnaps, Tabak, schließlich) um Josef. 2. Josef erhält vom Vater den Auftrag, seine Brüder in Sichern zu besuchen. 3. Die Brüder *) Ueber Varianten in den Joseflegenden vgl. u. a. M- Engel, Die Geschichte Josephs nach einer syr. Handschrift, I. Berl. 1895, S. 16Ä. Dort auch die Ltr. über die syrischen Behandlungen des Themas.