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Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde · 1910-01-01 · 1 (1910) · p. Seite 94

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Journal
Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
Volume
13 (1910)
Issue
1 (1910)
Date
1910-01-01
Page
Seite 94 (sequence 118)
Language
German
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— 94 — zugleich Direktor und Regisseur des Dilettantentheaters, das in Frankfurt ungewöhnliches Aufsehen erregte. Da sich nicht nur Juden, sondern auch Christen zu den Vorstellungen drängten, sah sich die Frankfurter Obrigkeit veranlaßt, „das fernere Agiren bei zwanzig Taler Strafe zu verbieten" (Low, Lebensalter 297 u. Abrahams, Jewish Life 264 nach Schudt, Jüd. Merkwürdigkeiten VI, 35 § 19). Karpeles, der in s. Gesch. d. Jüd. Ltr. (2. Aufl. II, S. 389) eine Probe aus dem Dialog zwischen Josef und Selicha bietet, betont mit Recht die Diskretion, mit der, im Gegensatz zu dem sonst durchaus im Geschmack der Zeit gehaltenen Tone, gerade diese Szene behandelt worden ist. Steinschneider (Purim und Parodie in: Monatsschr. 47, S. 88), der als Herausgeber des Stückes den „Jüngling Löb Ginzburg aus Frankfurt" angibt, erwähnt (nach dem Hammaggid 1, S. 48) eine Aufführung der „Mechirath Josef" in Minsk 1858. Aus dieser Zeit stammt das 1856 (bei M. F. Poremba) in Lemberg gedruckte Seder Mekhirath Josef-Spiel (im Besitz der Bibl. d. Wiener Kultusgem.). Auf dem Titel wird es zunächst hebräisch als ein schönes, gereimtes Spiel mit Gesängen, für Purim bestimmt, bezeichnet. Hierauf heißt es jüdischdeutsch: „DieBegebenheit von Josef mit die Brüder / mit süße Wörter und herrliche Lieder,/ zu singen in Pürim mit dem Becher in der Hand / in jeder Stadt und in jedem Land", ferner in deutschen Lettern: „Die Begebenheit von Joseph mit die Brüder." Auch in demDrama selbst wechseln Hebräisch und Jüdischdeutsch in bunter Folge ab. Das Personenverzeichnis führt außer Jakob, Rachel, Jakobs zwölf Söhnen, Pharaoh und den Midjanitern, als Diener Jacobs „Elifas" und „Chajja raah" („ein wildes Tier") an, ferner Serach bath Ascher, die aber in Wirklichkeit gar nicht auftritt. Entweder ist diese Person aus dem sonst üblichen Programm gedankenlos übernommen, oder sie ist einer der Kürzungen zum Opfer gefallen, die der Herausgeber auch sonst, wie es scheint, wohl aus Sparsamkeitsrücksichten, vor der Drucklegung vorgenommen hat. Hingegen sind einige im Stücke auftretend^ Personen, wie der Engel, Josefs Dolmetsch, sein Diener und ein ägyptischer Marschall, auf dem Theaterzettel ausgelassen worden. In hastiger Aufeinanderfolge drängen sich knapp und kurz gehaltene Auftritte. Jacob läßt Josef rufen, der erzählt seine Träume und daß die Söhne Leas die Kinder Bilhas und Silpas Sklaven nennen und sie beschuldigen, rituell verbotenes Fleisch gegessen zu haben, während sie selbst sich mit fremden Frauen vergangen hätten. Der Vater tadelt Josef, ebenso Jehuda („Du host vargessen die Wörter von der Gemoro (!) "). Jacob mahnt zum Frieden. Es folgt die Sendung Josefs an die Brüder, das Gespräch mit dem Engel, Simeon stiftet die Brüder gegen Josef an, es kommt zum Verkauf Josefs an die Midjaniter, die ihn aus der Grube befreit haben. Josef klagt am Grabe Rachels: „Wach oif, teiere Mitter, ind seh, / wie mir ist bitter! / Dein Oigappel, dein teier Kind wird gihetzt ind gischlogen wie ein Hind. / Ich miß arbejten hart

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