Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Journal
- Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Volume
- 13 (1910)
- Issue
- 1 (1910)
- Date
- 1910-01-01
- Page
- Seite 93 (sequence 117)
- Language
- German
- Belongs to
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Das JosefspieL Eine Umfrage. Von Dr. Max Grunwald. Die Geschichte von Josef und seinen Brüdern ist episch und dramatisch, von bildenden Künstlern wie von Musikern unzählige Male behandelt worden. Die Kirchenväter deuten sie typologisch, der Koran widmet ihr eine ganze Sure, die altfranzösische „His^ire de Joseph" (vgl. Roman. Forschungen 1903, XIV, 227 ff.), das frühmittelenglische Joseflied (vgl. Bonner Beiträge zur Anglistik 1905, Heft XVII), das geistliche Schauspiel von Jacob und seinen zwölf Söhnen (1534, vgl. Heidt, Das geistliche Schauspiel), die lateinische Schulkomödie „Josef" von Aegid. Hunnius, die über den Elsaß, Bayern und Oesterreich verbreitet war und bis 1612 vier bis fünfmal ins Deutsche übersetzt wurde (vgl. Gervinus, Deutsche Ltrgesch.), Zesens „Assenat" und Grimmelshausens „Des vortrefflichen keuschen Josephs in Aegypten erbauliche Lebensbeschreibung" (vgl. Hirsch, Gesch. d. deutschen Ltr. II, 481), Christian Weises Schuldrama gleichen Inhaltes (1690 aufgeführt), Bodmers Epen „Jacob und Joseph" (1750) und „Joseph und Zulika" (1784), die Liebesszene zwischen Hüon und Almansaris in Wielands „Oberon", die Urteile Goethes und Schillers (u. a. bei Wünsche, Die Schönheit der Bibel S. 26) Mehuls Oper, Händeis Oratorium, eine ganze Bildergalerie von Josefdarstellungen (Wünsche a. a. O. 246 und Kutna, Die Josefsgeschichte in der bild. Kunst: Ost u. West IX, Heft 1 u. 2)2) und viele andere Zeugnisse reden von der Beliebtheit dieses Stoffes. Im Geiste der Weiseschen Schülerkomödie mit dem obligaten Hanswurst, der hier als Diener und Berater Potifars auftritt, wurde auch von Jüngern der Prager und Hamburger Jeschiwa im Anfange des achtzehnten Jahrhunderts in Frankfurt a. M. vierzehn Tage vor und vierzehn Tage nach Purim ein Josefspiel aufgeführt Bärmann Limburg, der Verfasser dieses „Verkauf Josefs", war *) Vgl. auch „Josef und Potifar" in: Hess. Blätter für Volkskunde 1907r S. 129. 2) Daß Simeon bei M6hul u. s. als der Anstifter gegen Josef dargestellt wird, entspricht der TJeberlieferung, die Gen. 42,24, die Gefangensetzung gerade dieses Bruders, begründen will. Daß manche Bilder der Suleikaszene eine Wiege aufweisen, illustriert gleichfalls (s. unten) die TJeberlieferung, die das Kind als Zeuge gegen die Mutter auftreten läßt. 7