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Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde · 1910-01-01 · 1 (1910) · p. Seite 53

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Journal
Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
Volume
13 (1910)
Issue
1 (1910)
Date
1910-01-01
Page
Seite 53 (sequence 77)
Language
German
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— 53 — 7. Folklore. Man werfe nicht mit den Fingern Schattenbilder an die Wand1). Was Gott hat gegesert am R. Haschono und gechasment am Jörn Kippur, das weist er in der Lewono. Un' welcher den Schatten nit sieht, der bleibt aso nit leben das selb Jar____ Etliche tun ein Leilich um un genT wo die Lewone scheint, un werfen das Leilich von ihnen, daß sie nacket bleiben, un spreiten sich ganz aus. Mangelt ihm der Kopf, so gilt es ihm sein Kopf. Mangelt ihm ein Finger, da gilt es seine Kerauwim (Verwandten). Mangelt ihm der Schatten vun der rechte Hand, so is es ein Simmon (Zeichen) zu seine Söhn (m-Gott behüte), un die linke Hand, is ein Simmon zu seine Töchter (rn). Aber der Schatten, den men sieht in der Lewone, meint nit ein rechtn Schatten. Denn es mußt wol selzum zugen, daß einer nit soll sein Schatten sehn2). Aber es meint der Schatten vum Schatten. Wenn man recht sieht auf den Schatten von Menschen, aso sieht men zwei Schatten. Denn der recht Schatten gibt wieder ein Schatten, die Chachomim (Weisen) s. A. heißen es Babuah d' babuah. Wir lernen in der Gemore (Talmud) : Einer, der über Land zieht un' will wissen, ob er wird heimkommen oder nit, der soll sehn sein Schatten. Sieht er den Schatten vum Schatten, aso kommt er wol wieder heim3). Es ereignete sich, daß einer in der Nacht zu Hoschana R. den Schatten seines Kopfes nicht sah, da hielt er viele Fasttage, gab viele Almosen und lebte noch lange nacher4). Der Schlesier sieht es als Vorboten des Todes an, wenn der Schatten eines Menschen am Neujahrabende kopflos an die Wand reflektiert wird5). Bei der Habdalah pflegen manche in das Glas zu blicken und wenn sie ihr Gesicht deutlich darin wahrnehmen, da sind sie dessen gewiß, daß sie in dieser Woche nicht sterben. Daher konnte einst ein Wunderrabbi seine Umgebung aufmerksam machen, sie möge sich in den nächsten Tagen auf seinen Tod vorbereiten6). Mohammed's glorreicher Körper soll nach arabischen Berichten keinen Schatten geworfen haben7). Aus Hiläli, König und Derwisch: Er ward erhöht bis über's Sternenzelt, Nie traf sein Schatten drum des Staubes Welt, Wie reichte dieser bis zum Erdental, Da er durchstrich den höchsten Himmelssaal? Mitteilungen I, 37s. 99. 2) Das konnte nur Peter Schlemiehl passieren, der seinen Schatten verkaufte. 3) Mitteii. I, 104. Dasselbe Abudraham 93 a. 4) Sefer Chassidim alte Ausgabe 452. 5) Ur-Quell IV, 169. 6) »Magyar Zsidö Szemle« 1909, IV, 320. 7) Ethe, Morgenl. Studien 202, Anm. 22.

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