Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Journal
- Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Volume
- 13 (1910)
- Issue
- 1 (1910)
- Date
- 1910-01-01
- Page
- Seite 48 (sequence 72)
- Language
- German
- Belongs to
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— 48 — Gräbern sehen, die Gott loben und preisen. In der Nacht des Neujahrsfestes schwebt die Seele in der Höhe und bittet um Erbarmen für die Lebenden. Am letzten Tage des Hüttenfestes entfernt sich der Schatten von dem Bösen, da schwebt die Seele wieder in der Höhe. Dazu bestimmte Geister nehmen den Schatten jedes Menschen und führen ihn in die Höhe, während die Seele zu den Gräbern zurückkehrt und den übrigen Toten berichtet, wer sich ihnen bald gesellen werde. Den Schatten aber nimmt Metatron in Beschlag1). Aus Hohel 2, 17 folgt, daß der Mensch zwei Ebenbilder hat, ein großes und ein kleines und wenn der Mensch sterben soll, entfernen sich seine Ebenbilder (ptAiat) von ihm2). Wer in der Nacht des Simchath-Thora den Schatten seines Schattens nicht sieht, wird nicht leben, denn es heißt: Gott schuf den Menschen in Seinem Ebenbilde, im Ebenbilde Gottes schuf Er ihn, also zwei Ebenbilder3). Dreißig Tage vor dem Tode sieht der Mensch nicht mehr seinen Schatten an der Wand, das bedeutet, daß ihm der nahe Tod bevorstehe. Dies folgt aus Ps. 39, 7: ^nrr nbxz Solange der Schatten da ist, geht der Mensch; geht der Schatten vorüber, muß auch der Mensch gehen. König Chiskija wandte sich darum zur Wand, als er betete, weil er seinen Schatten sehen wollte, was ihm auch gelang4). Als Bileam in der Luft flog, kam n^s aus dem Stamme Dan und flog ihm nach, aber Bileam schlug eine andere Richtung ein und verschwand, worüber sich Ziljah kränkte. Da rief Pinchas: Schatten der Seeungeheuer, die über allen Schlangen lagern, kehre deine Haare um! Sogleich fand er den rechten Weg5). Der Dämon Sammael kam in der Gestalt des Schattens einer Schlange vom Himmel herab und verführte Eva6). Es gibt auch einen aapbenannten Dämon (Ps. 91, 6), dessen Macht weder im Schatten, noch in der Sonne, sondern nur zwischen beiden zur Geltung kommt7). Im Talmud werden zwei Dämonen Namens Keteb erwähnt. Der eine heißt nno zw (Deut. 32, 24). Er herrscht nur Vormittag und wird im Gefäße voll Tunke gesehen, wo er sich herumwälzt. Seine größte Tätigkeit *) Sohar II, 142 b. 2) Das. III, 13b. D^Sfc setzt wenigstens zwei voraus, daher zwei Ebenbilder. 3) Jalk. Rubeni 10 d. 4) Sohar I, 217 b; III, 255 b und die Erklärung von Ch. J. D. Azulai. Güdemann, Erziehungsw. II, 206 Note werden noch andere Stellen angeführt. 6) T>M» "pört P^n P.^VJ K»70m *6lto Sohar III, 194 a. Daß iT^ä aus r^~b$ zusammengesetzt ist, bedarf keiner näheren Erklärung. "pari ■"pTDS kommt auch in Meg. 18 a vor. Bj Jalk. Rub. 16a, Sohar Chadasch 71a. Nach einer bulgarischen Sage ist der Satan aus Gottes Schatten entstanden. Dähnhardt, Natursagen 44. 7) Num, r. 12, 3. Zu Daniel 12, 3 NMÄDl bemerkt Jalk. Rubeni 7 a D'MSD "OT WttD JPpTT n Die Stelle ist aus B. bathra 8 b, Toßaf, s. v. ^p^Stttt genommen. Von bt ist aber dort keine Rede. Auch Sohar I, 16 a nicht.