Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Journal
- Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Volume
- 13 (1910)
- Issue
- 1 (1910)
- Date
- 1910-01-01
- Page
- Seite 46 (sequence 70)
- Language
- German
- Belongs to
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— 46 — sie unter die Flügel der Schechinah zu bringen1). Dem Glauben untreu werden heißt: Die Flügel des Himmels oder die der Schechinah verlassen2). Anknüpfend an I Chr. 29, 15: Einem Schatten gleichen unsere Lebenstage auf Erden, wird ausgeführt: Ja, wenn sie wenigstens dem Schatten einer Wand oder dem eines Baumes glichen; sie gleichen aber dem eines vorüberfliegenden Vogels, denn dieser fliegt und sein Schatten mit ihm3). König Salomo vergleicht das menschliche Leben mit dem Schatten. W eichen Schatten meint er? Etwa den der Wand? Der ist ja etwas Greifbares (tPDö); den des Baumes? Auch der ist etwas Greifb ares. Da tradiert R. Huna im Namen R. Achis: Wie der vorüberfliegende Vogel, mit dem auch sein Schatten vorübergeht. Samuel lehrt: wie der Schatten der Biene, an dem gar nichts Greifbares ist4). Gott verlangt ein Heiligtum zum Wohnorte; er wünscht in unserem Schatten zu wohnen5). Schatten gewährt die Weisheit, Schatten das Geld (Koh. 7, 12), daraus folgt, daß einst Gott Schatten und Schirm machen werde den Frommen (nutö >byz) neben den Gelehrten (nun ^jtt)6). Drei Hoffnungen hatte Israel am Meere: Die Fahnen (in der Wüstenwanderung), das Heiligtum und die Thora7). Solange der Schatten Esaus besteht, ist Israel gedrückt, ist einmal Esaus Schatten vorübergegangen, wird Israel belebt8). Gott ließ über dem Haupte des Propheten Jonah nachts einen Kikajon wachsen, des morgens wuchsen darauf 275 (tvjj'i) Blätter. Der Schatten jedes Blattes hatte vier Spannen und eine Handbreite. Vier Menschen hatten Platz unter dem Schatten des Kikajon9). *) Lev. r. 2, 9; Chull. 5a. R, Jochanan sagt zu seinem Schwager Resch Lakisch: Ich habe dich unter die Flügel der Schechina gebracht "p^ipin lU'Wn flnn B. mezia 84 a. Er habe es nämlich R. Jochanan zu verdanken, daß er seine Stelle als Räuberhauptmann mit der eines Schuloberhauptes vertauschte. Bacher, Pal. Amor. I, 345. Von Moses wird erzählt, daß er als Leiche von den Flügeln der Schechina getragen wurde. Szota 13 b. 2) Midrasch Tannaim 66, Hoffm. DWfi *>£03 nnflD und das. 69 nroiPfi '»£03 Drin» Flügel in der Bedeutung von Schutz werden auch bei Menschen angewendet. Die Tochter R. Chiszdas saß unter den Flügeln ihres Vaters. B. bathr. 12 b, R. Gersom und nach ihm Levy WB. I. 358 übersetzen »im Schöße«, was aber nicht wörtlich zu nehmen ist, da von einem zu verheiratenden Mädchen die Rede ist, das noch unter dem Schutze des Vaters steht. 3) irjwa bv rtato xb* \bw bv )b)& ik bn\s bw i^to wtoi Gen. r. 96, 2; Jalk. das. 155, Tanch. '»m. 4) JTöJJ ISJf rAm lapn k&W pTD. Die Biene und ihre durchscheinenden Flügel geben noch weniger Schatten als der fliegende Vogel. Kohel. r. zu 1, 2 und 6, 12. 5) Num. r. 12, 3. «) Kohel. r. z. St. 7) Schir. r. zu 2, 2. lWa bedeutet die Thora, weil sie Schutz gewährt. 8) Das. 9) Jalk. Jona 551. Nach einer Sage war es eine Kohlstaude. Dähnhardt a. a. O. 336. Während Hiob unter dem Schatten eines Maulbeerbaumes saß, das. 337.