Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Journal
- Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Volume
- 13 (1910)
- Issue
- 1 (1910)
- Date
- 1910-01-01
- Page
- Seite 12 (sequence 57)
- Language
- German
- Belongs to
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— 12 — Tagen ihre Tochter heimführen soll, kennte sie noch zu wenig, um ihn zu den Ihrigen zählen zu dürfen. »War meine Laufbahn nicht immer mit Rosen bestreut, so war sie doch tröstend für mich, und auch Gutes nach meinen Kräften gethan zu haben und gewis nie unthätig gewesen zu sein, wo ich wirken konnte. Den Schwestern und Brüdern in Berlin ein Lebewohl und Segenswunsch zum Wohlergehen der Ihrigen. So stirbt gerne Eure . . . .« Am 31. Juli 1808 berichtigt und ergänzt sie das Testament durch ein neues Codicill, da sie es für die Pflicht jedes Menschen hält, »zu jeder Epoque und bei jeder Veränderung seiner Lage mit sich zu rechten und zu rechnen.« »Das entschiedene Schicksal« ihrer Tochter und der Tod ihres ältesten Bruders bilden einen neuen Wendepunkt in ihrem Leben. Je 100 fi. bestimmt sie für das jüdische und das christliche Armenhaus. Die Armen beider »Nationen« werden von ihr bedacht. Sodann richtet sie an ihre Tochter die Worte: »Ich bitte meine Tochter, zwar keiner Nation oder Religion ein Vorrecht in ihren Gaben zu geben, allein doch immer zu bedenken, das der arme Jude nur bey seinen Glaubensgenossen Unterstützung findet, statt das den armen Christen beider Nationen Stütze und Hülfe wird.1) Dies möge sie ihren Kindern, die zwar in christlichen Glauben erzogen, einprägen, damit, wenn auch sie einst wirken, sie den armen Juden nicht ungehört und ohneHfilfe von ihrerThüre weisen möge n.« Pereira hat sie nichts mehr zu geben, da sie ihm »den einzigen Schatz, den sie besessen hat, bereits gegeben«. Femer »darf ich Euch bitten, mich nicht zu vergessen, einen Tag im Jahr mein Andenken durch irgend eine liebevolle Handlung zu weihen « Ihren Schwägern Herz und Michel Arnstein vererbt sie Andenken. Nochmals erinnert sie an die Versorgung ihrer treuen Dienerschaft. Wien, den 25. Januar 18SÖ. ». .. so lasse ich meiner guten, treuen Schwester Eskel e s zum Ersatz für den Verlust, den sie durch den Hauskauf in Berlin durch mich gehabt, — auch nur mir der Vorwurf, das Erbthum unseres guten seligen Vaters gekauft zu haben, gemacht werden kann, ich also in meinen Gewissen schuldig bin, ihr den Schaden ersetzen (denn leider den Verdruß, der ihr dadurch geworden, kann ich ihr nicht ersetzen), als durch Liebe und Dankbarkeit dafür, daß sie mir nie einen Vorwurf darüber gemacht, — bitte sie also inständigst die Revenuen des Hauses gütigst annehmen zu wollen. Es würde meinem Herzen weh thuhen, wenn ich denken könnte, das sie es aus falscher Delicatesse ablehnte,.. J) Im Original unterstrichen.