Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Journal
- Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Volume
- 13 (1910)
- Issue
- 1 (1910)
- Date
- 1910-01-01
- Page
- Seite 11 (sequence 56)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 98% known words query
- IRI
…/2638044-2638092-2638093--0894-2640741- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
— 11 - mit 600 fl. von mir ausser den auszuzahlenden Andenkens nach Proportion des Kapitales hinlänglich belastet ist, und ich ohnehin gewis bin, das sie nach eignen Willen nach ihren Kräften giebt, so wie sie es stets vor sich gesehen. Ich sage nach Massgabe ihres Vermögens, weil man auch hierin zuviel thun kann und man sich von seiner Gutmüthigkeit nicht irre leiten lassen muss, durch viele kleinere Gaben sich die Mittel zu rauben, da zu helfen, wo es im Großen nothwendig, und man diese Fälle unmöglich vorsehen kann, doch aber durch ein w e i s 1 i c h erspartes Capital sich im Stande setzen muss, jeden größern Übel abhelfen und wahres Glück verbreiten zu können, welches selten bei noch so oft wiederholten Gaben der Fall ist. Sollte ich nicht alles, was ich noch sollte, gesagt haben, so überlasse ich das übrige der Einsicht obgenannter Personen, empfehle mich ihrem Andenken, danke für ihre mir so lange Jahre erwiesene treue Anhänglichkeit, Liebe und Nachsicht1) für meine öfters für sie sehr kränkende Lebhaftigkeit, die mehr eine Folge meines Kopfes als meines Herzens waren, und sterbe, obgleich nicht gerne, doch mit dem Tröste und Bewußtseyn, so viel in meinen Kräften war, die Pflichten einer Frau, guten Mutter und gewis auch guten Tochter und Schwester erfüllt zu haben. Allen Freunden und Bekannten, die mich genauer gekannt, bitte ich auch um Nachsicht, wenn ich ihnen nicht ganz das gewesen, was ich ihnen zu seyn gewünscht. Der Schwägerin Marianne Herz vermache ich nebst der Versicherung meiner Freundschaft und Liebe ein Andenken, bestehend in ein mir werthes und für sie brauchbares Möbel, welches sie wählen wird. Judith Oppenheim geb. Herz und Leopold Herz sind ein Andenken nach Gutdünken zu versehen gebeten. Die Gold und Silber Münzen gehören meiner Tochter Jette und bleiben ihr ein Andenken ihrer unvergeßlichen Berliner Großeltern. Die ganz neue (und) in einer Kiste nebst das dazu gehörende Verzeichnis gehört zur Aussteuer meiner Tochter Jette. Fanny von Arnstein geb. Itzig. Am 28. Aug. 1802 unmittelbar vor einer größeren Reise und der Verheiratung ihrer Tochter bestimmt F. v. A., daß diese vom Berliner Hause 22.000 fl. erhalte. Ein kleines silbernes Kaffebrett, ein Geschenk ihres Vaters, hinterläßt sie dem Bruder I s a k Daniel Itzig. Hemdenknöpfe, die ihr Mann von ihrem Vater erhalten und ihr geschenkt hatte, bittet sie ihren Mann zurückzunehmen und als »ein Heiligtum zu betrachten«, wie sie es getan. Sie bedenkt ihre Freundinnen Frau von Sonnenfels und vor allem Frau von Brevillier. Ihrer Tochter empfiehlt sie liebevolle Achtung vor den Tanten E s k e 1 e s, Levy, Ephraim, Salomo, Friedländer, Oppenheim und R e c h a sowie den »Onkels«. Pereira, der in wenigen x) Im Original unterstrichen.