Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Journal
- Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Volume
- 13 (1910)
- Issue
- 1 (1910)
- Date
- 1910-01-01
- Page
- Seite 9 (sequence 54)
- Language
- German
- Belongs to
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ihre Verwandte nie Noth leiden lasse. Doch soll sie, da ihre grosse Jugend noch Leitung fordert, immer ihren Vater und die guten Berliner Tanten zu Rathe ziehen, immer der Berliner Familie Achtung bezeigen aus Liebe für mich, die bis am letzten Athemzuge meine Anhänglichkeit an ihr nicht verlohren und bis am Ende kein anderes Bedauern gefühlt, als getrennt von den geliebten Schwestern leben zu müssen. Ich schreibe dies heute eigenhändig und vermache den hiesigen Christen- Spital sowohl als den Juden-Spital einen jeden 100 f. als eine geringe Gabe und bitte das man alles dies gelten lassen möge, wenn ich auch aus Unwissenheit nicht jede gewohnte Formel beobachtet Da mein Mann und Tochter wohl für die Oden und Götz sorgen v/erden, so finde ich es für unnötig, doch soll man der Oden Epstein ein besonderes nützliches Andenken — 500 f. an Werth — in meinen Nahmen geben. Wer für mich die Ausführung dieses meines Wunsches übernimmt, der findet hier den wärmsten Dank. Fanny Arnstein geb. Itzig. Den 27ien May 1800. Wien, den 17. Mertz 1801. Da ich vor meiner Abreise für nöthig erachte, alles, was ich zurück lasse, in Ordnung zu bringen, so bitte ich hiermit meinen Mann, meinen Schwager Eskeles, meine Schwester Eskeles oder meine Schwester Levy, wer es immer von den genannten lieben Augehörigen auch sey, es über sich zu nehmen, folgenden meinen Willen zu vollziehen. Ich weis es wohl, das ich als Weib nach der Strenge der Gesetze eigentlich kein Recht habe, zu testieren oder irgend Dispositionen zu machen. Aber wer würde wohl von meinen Mann oder meiner Tochter, die die einzigen sind, die das Recht hätten, diese meine Wünsche unerfüllt zu lassen, so grausam seyn, mir den Trost zu rauben, über das nur von mir und an mich selbst abgesparte Capital disponieren zu dürfen? — in der Voraussetzung einer Unmöglichkeit, da ich die Gesinnungen meines Mannes und die Erziehung meiner Tochter, ihr gutes und gewis dankbares Herz gegen ihre Mutter, die so lange ich [sie!] mit ihr zu leben vergönnt war, gewis alles gethan, sie so glücklich, als es in meiner Macht v/ar, zu machen, zu gut kenne, um zweyfeln zu dürfen, sie würden nicht recht gerne mir diese letzte einzige Bitte gewähren. So vermache ich hiermit meiner Tochter den von meinem Vater mir zum Theil geschenkten, von mir zum Theil erkauften und meinen Manm mir zum Theil geschenkten Schmuck, bestehend in Juwelen und Perlen, ich bestimme nicht ein jedes Stück, da es verändert und umgefasst werden könnte, genug, was ich an Pretiosen besitze. Auch vermache ich ihr, meiner Tochter Jette Arnstein, das in den Contor befindliche und an den Herrn von Eskeles, meinen Schwager, zum Auf-