Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Journal
- Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Volume
- 13 (1910)
- Issue
- 1 (1910)
- Date
- 1910-01-01
- Page
- Seite 30 (sequence 35)
- Language
- German
- Belongs to
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— 30 - Landtafel in Mähren wird im Jahre 1379 ein Jude Lazar aus Jamnitz als Besitzer eines Gutes erwähnt, das er einer Frau Anna in Ujezd verkaufte. (Vgl. Demuth, Geschichte der Landtafel in Mähren p. 40 und Bondy-Dvorsky, Zur Geschichte der Juden in Böhmen, Mähren und Schlesien p. 86.) Die Nachricht ist schon deshalb beachtenswert, weil die Juden im Mittelalter sonst nur als Geldverleiher und Zwischenhändler in der Phantasie der Kulturhistoriker leben, hier haben wir Belege dafür, daß sie sich auch der Landwirtschaft widmeten, wo es ihnen nur möglich gewesen ist. Die Gründe, die den erwähnten Hofbesitzer verleiteten, sein Gut zu verkaufen, sind nicht mehr zu erforschen. Wahrscheinlich waren es die traurigen Zeitverhältnisse! Im XV. und XVI. Jahrhundert hören wir nichts von den Juden in Jamnitz. Das kann aber nur ein Zufall sein, denn so wie die benachbarten Ortschaften auch um diese Zeit von Juden bewohnt waren, eben so dürfte dies in Jamnitz der Fall gewesen sein. In der Nachbarstadt Budwitz wohnten damals Juden, mit Namen werden besonders drei genannt: Samuel, Jakob und Isak (s. Bondy u. Dvorsky, p. 478, Nr. 671 und p. 481, p. 677). Das war in den Jahren 1564/5. Die Juden haben dort „eine Synagoge, ein Bad und einen Friedhof besessen, deren Überreste noch sichtbar sind. Einen Beweis dafür, daß die Gemeinde auch in diesen Jahrhunderten bestand, dürfte der Grabstein der im Sommer 448 (== 1688) in Prag verstorbenen Frau Chajle, Tochter des Meir Jemnic liefern. Dieser hat seinen Familiennamen seiner Heimatstadt entlehnt1). Ihre Blütezeit erlebte die Gemeinde im XVII. Jahrhundert. Am Ende des 30jährigen Krieges waren die Judengemeinden in Mähren, zu Ausse, Loschitz, Lundenburg, Misslitz, Jamnitz sehr gesunken —, wie der offizielle Bericht hinzufügt: »daselbst hievorziemlich starke Gemeinden gewesen, befindt sich aber an diesen Orthen jetztmals nit ein einziger Jude (Neuzeit 1895, p. 40). Trotzdem erbauten die Juden in Jamnitz im Jahre 1648 eine Synagoge, die noch heute besteht! Kaufmann (die letzte Vertreibung der Juden aus Wien, p. 176) hat schon die Behauptung aufgestellt: Besonders mag Jamnitz damals eine starke Vermehrung durch solche Zuzügler erfahren haben. Ein starker Zuwachs der Gemeinde ist aus der Zahl der Grabsteine aus den Jahren 1601 bis 1693 ersichtlich. Tod und Geburt sind die besten statistischen Hilfsmittel die Größe einer Gemeinschaft zu bemessen. Der Aufschwung dauert auch im XVIII. Jahrhundert noch immerfort an. Geburts- und Todesmatrik enthalten in diesem Jahrhundert jedes Jahr einige Aufzeichnungen. Im Jahre 1753 lebten in Jamnitz, nach dem statistischen Ausweis, 53 Famiiianten (s. G. Wolf, Jahrbuch der Geschichte der Juden. IV. 224. Hier sind beredte Zeugen für das Alter derselben, wie ich mich hievon selbst überzeugte. s. Hock, Die Familien Prags p. 171.