Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Journal
- Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Volume
- 13 (1910)
- Issue
- 1 (1910)
- Date
- 1910-01-01
- Page
- Seite 29 (sequence 34)
- Language
- German
- Belongs to
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— 29 — riker sind, so ergreift ihn doch Schrecken und Zittern, so er sich ihnen nahen muß. Fröhliche oder erfreuliche Stimmen wird er nicht hören. Das Stillschweigen ist ein stummer Zeuge eines leidlichen Zustandes, während das leiseste Wort die Erinnerung an blutige Szenen, an grausame Verfolgungen, an Jammer und Elend hervorzurufen pflegt. Zum erstenmal geschieht der Juden in Jamnitz Erwähnung in einer Liste der Städte und Gemeinden, die im Jahre 1335 und in den folgenden schwere Verfolgungen sahen und erlebten. Zwer elende, verkommene, adelige Individuen, die sogenannten Armleder, leiteten ebenbürtige und würdige Oesellen, die sich den wenig ehrenhaften Namen der »Judenschläger« beilegten und veranstalteten eine schrekliche Metzelei, die sich von Süddeutschland über die Gemeinden in Böhmen, Mähren und Österreich erstreckte. Im Verzeichnis werden erwähnt die Städte Pulkau, Eggenburg, Retz, Znaim, Horn, Zwettl, Raabs, Erdberg^ Jamnitz, Fratting, Trebitsch, Feldsberg, Falkenstein. Hadersdorf, Gars, Rastenfeld etc. (s. S. Salfeld, Das Martyrologium des Nürnberger Memorbuches. Berlin 1898. p. 240), also jüdische Gemeinden an den mährisch-bömisch-niederösterreichischen Landesgrenzen. Die Aufzählung ist deshalb noch besonders lehrreich, weil wir dadurch den Zug der Plünderer oder die Nacheinanderfolge der Plünderungen verfolgen können. Jamnitz wird im hebräischen Original mit dem böhmischen Namen J e m n i c e erwähnt. Die genaue Beschreibung aller Einzelheiten dieser Katastrophe fehlt uns und wir sind nicht in der Lage, Näheres über diese Begebenheiten zu ermitteln. Wie groß auch das Unglück gewesen sein mag, das größte Übel ähnlicher Ereignisse hat die Juden nicht betroffen, denn sie blieben davon verschont, den Wanderstab zu ergreifen, Haus und Hof zu verlassen, um in der weiten Ferne oder in einem fremden Land ein neues Nachtlager aufzurichten, bis eine grausame Hand sie auch von dort vertrieben hätte. Die ältesten Grabsteine, die sich auf dem uralten Friedhofe erhalten haben, gehören dieser Zeit an und beweisen, daß die Juden die Stadt nicht verlassen mußten. Nach der Zahl der aus der zweiten Hälfte des XIV. Jhdts. stammenden Grabinschriften zu schließen, bestand hier um diese Zeit eine ansehnliche Gemeinde. Aus dem Jahre 1362 datiert der Grabstein des Isak Löb (gest. am 2. Tamuz 122), im Jahre 1383 (= 13 Tisri 144) ist eine Frau GM,. Tochter des Anschel Jemnic gestorben. Vier Jahre später am 4. Sebat 148 1387/8 ist von einem Mayer ben Eisak Segal die Rede. Aus dem Jahre 1414/5 haben wir den Tod einer Frau Rebekka, Tochter eines R. Benjamin, zu verzeichnen.1) In der *) Mit Dank erwähne ich hier meinen Amts Vorgänger, Herrn Dr. A. Morgenstern, jetzt Leitmeritz (Böhmen), der mit großer Mühe und Selbstverleugnung die Grabinschriften entziffert hat. Das von ihm angelegte Register diente mir als Wegweiser. Form und Inhalt der Grabinschriften