Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Journal
- Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Volume
- 13 (1910)
- Issue
- 1 (1910)
- Date
- 1910-01-01
- Page
- Seite 5 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Flügel berge ich mich.1) Du warst meine Hilfe und im Schatten deiner Flügel frohlocke ich.2)« Schatten bedeutet Abend oder Finsternis. Beim Anbruch der Abenddämmerung klagt Jeremia: Wehe uns, denn es neigt sich der Tag, es strecken sich die Schatten des Abends.8) Hiob drückt sich einfacher aus, wenn er sagt: Wie ein Sklave nach dem Schatten (d. h. nach der Abendruhe) lechzt.4) Dasselbe meint Nehemia: Als die Tore Jerusalems beschattet wurden.5) Die Vergänglichkeit des Menschen vergleicht der heilige Sänger mit dem gedehnten oder vorübergehenden Schatten* »Meine Tage gleichen einem langgestreckten Schatten und ich verdorre wie Gras.6) Gleich dem Schatten, wenn er sich neigt, schwinde ich hin.7) Der Mensch ist einem Hauche gleich, seine Tage sind wie ein Schatten, der vorüberfährt.8) Bei Hiob ohne nähere Bestimmung: Von gestern sind wir und wisseri|nichts, denn ein Schatten sind unsere Tage auf Erden.9) Wie eine Blume geht er auf und welkt dahin, flieht wie ein Schatten und hat nicht Bestand.10) Dasselbe drückt David in seinem Gebete mit anderen Worten aus: Denn Fremdlinge sind wir vor dir und Beisaßen, wie alle unsere Väter, wie ein Schatten sind unsere Tage auf Erden, ohne Hoffnung.11) Dieser Gedanke darf natürlich bei dem pessimistisch gesinnten Prediger auch nicht fehlen: Denn wer weiß, was dem Menschen gut ist im Leben, all die Tage seines eitlen Lebens hindurch, die er zubringt wie ein Schatten.12) Nicht aber wird es Wohlergehen dem Frevler, gleich dem Schatten wird er nicht lange leben.13) (Schluß folgt.) 1) Das. 57, 2. 2) Das 63, 8. »Der im Sch. des Allmächtigen weilte (Ps. 91, 1) darunter ist Moses (Raschi) oder Josua (Biur) oder Gott selbst gemeint (s. weiter unten). Der Engel sagt zu Maria: Der h. Geist wird über dich kommen und die Kraft des in der Höhe wohnenden Gottes wird dich beschatten. Luc. I. 35. Juda ha-Levi hat: "»W mniO II Nr. 48 p. 47. s) 6, 4. 4) 7, 2. 6) 13, 19. Paulus nennt die Ceremonien Schatten der künftigen Dinge (Colon. II. 17), das alte Gesetz Schatten des künftigen Guten (Hebr. X. 1) und den Priesterdienst Schatten und Muster der himmlischen Dinge (Hebr. VIII. 5), worunter auch etwas Dunkles gemeint ist, woher sich das Licht, die Vollständigkeit herausbilden wird. Schatten für Seelen oder Geister kommt meines Wissens in der jüdischen Literatur nicht vor. 6) Ps. 120, 12. 7) Das. 109, 23. 8) 14, 4. 9) 8, 9. 10) 14, 2. u) I Chr. 29, 15. *') Kohel, 6, 12. *3) Das 8, 13.