Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Journal
- Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Volume
- 13 (1910)
- Issue
- 1 (1910)
- Date
- 1910-01-01
- Page
- Seite 3 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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kehre um« — sagt ferner die Geliebte.1) Das Targum paraphrasiert: Die Israel beschattende Wolke ist abgezogen, während etwas weiter (46) zu demselben Ausdrucke: Es fluchteten die bösen Geister, die Abend- oder Schatten-, Morgen- und Mittagsdaemonen.*) Der Midrasch wieder bezieht die Stelle auf die Gottlosen, die nach Hiob (34f2) keinen finsteren Ort, keinen Todesschatten finden, um sich dahin zu flüchten.3) Auch die aegyptische Sklaverei, der Schatten des Lehms und der Ziegeln, die Schatten der Israel bedrückenden Königreiche, die Schatten der Leiden und des Kummers sind darunter zu verstehen.4) »Denn Schatten gewährt die Weisheit, Schatten das Geldc5.) Diese schwierige Stelle erklärt das Targum: Wie man im Schatten der Weisheit Schutz findet, so auch im Schatten des Geldes. R. Jirmija aber tradiert, daß Gott einst Schatten und Zelt machen werde für die Beobachter des göttlichen Gesetzes neben den Thoragelehrten, denn der Schatten der Weisheit wohnt neben dem des Geldes, d. h. neben denen, die mit ihrem Oelde Wohltaten ausüben.6) Auch R. Jochanan folgert aus diesem Satze: Wer den Beutel eines Gelehrten füllt, wird im Jenseits in Gesellschaft der Gelehrten Platz finden.7) Durch eine geschickte Auslegung dieses Verses rechtfertigte Simon b. Schetach, Schwager des Königs Alexander Jannaj, sein scheinbar ungebührliches Vorgehen dem Könige gegenüber und entging dadurch vielleicht sogar dem Tode. Es kamen nämlich 300 Naziräer zu ihm und wollten der Vorschrift gemäß je drei, zusammen also 900 Opfer bringen. Der einen Hälfte erließ er die Opfer und nur für die andere sollte gesorgt werden. Da ging er zum Könige und gab vor, man brauche 900 Opfer, die eine Hälfte wolle er selbst besorgen, die andere möge der König ausfolgen. Der König bewilligte in der Tat 450 Opfer, Simon b. Schetach aber gab garnichts. Die Sache kam dem König zu Ohren, er machte seinem Schwager darüber Vorwürfe, dieser aber erklärte, seine Weisheit habe beigesteuert wie das Geld des Königs, denn im Schatten der Weisheit ist Schatten des Geldes. Simon b. Schetach hatte nämlich einen triftigen Grund gefunden, wodurch die Hälfte der Naziräer ihrer Pflicht zu opfern enthoben werden konnte.8) Der Schatten bietet Schutz gegen die Sonne, daher gilt Schatten für Schutz. Schon Lot bittet die Sodomiten, an seinen weiten Schatten. Man brachte die Kranken auf di« Oasse, legte sie auf Betten, damit sie der Schatten des dahin kommenden Petrus berühre. Apostelgesch. V. 15. *) 2, 17. 2) Uber =* Schattendaemon s. Levy WB. s. v. und Low bei Krauß, Lehnwörter. 8) Jalkut z. St. *) Schir r. z. St. ß) Kohel. 7, 12. •) Jalkut Kohel. 957. In Kohel. r. z. St. tradiert von R. Huna. 7) Pesach. 53 b. 8) Gen. r. 91, 3 und Parall. 1*