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Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde · 1910-01-01 · 1 (1910) · p. Seite 2

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Journal
Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
Volume
13 (1910)
Issue
1 (1910)
Date
1910-01-01
Page
Seite 2 (sequence 5)
Language
German
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bis wohin sich bei der Schriftauslegung die Agada hinauswagte, und wie breit die Kluft zwischen Rationalismus und Mystik ist. Diesem Zwecke mögen die Anführung der benützten Literatur und die zitierten Stellen genügen. I. Bibel. Wohltuender Regen und kühlender Schatten sind dem Orientalen in viel höherem Maße Bilder des Segens als uns. Der Thronprätendent Jotham läßt in seiner schönen Parabel den Dornstrauch sagen, die Bäume sollen in seinem Schatten Schutz suchen, wenn sie ihn wirklich zum Könige haben wollen.1) Der Prophet Jesaja zählt zur künftigen Glückseligkeit auch die Hütte, welche des Tags zum Schatten gegen die Hitze dienen wird2) und in einer Hymne dankt er Gott, daß er kühlenden Schatten gegen sengende Hitze gibt und den Gesang der Tyrannen unterdrückt, wie die Sonnenglut vom dichten Schatten gelindert wird.8) Die Regierung eines gerechten Königs wirkt wie der Schatten eines mächtigen Felsens in lechzendem Lande.4) Hosea macht Israel den Vorwurf, daß es auf Bergen und Hügeln opfert unter Eichen, Pappeln und Terebinthen, weil ihr Schatten angenehm ist.5) Jonah hatte Ursache sich über den schattenspendenden Ricinus sehr zu freuen und zu verzweifeln, als dieser verdorrte und ihn die Hitze plagte.6) Wie der Apfelbaum unter des Waldes Bäumen, so ist mein Geliebter unter den Knaben — singt Sulamith — in seinem Schatten saß ich so gerne.7) Der Midrasch kann sich natürlich mit dem einfachen Sinne des Verses nicht begnügen und allegorisiert: Wie in der Zeit der Dürre Jeder den Apfelbaum meidet, weil er keinen Schatten bietet, so flohen die Völker bei der Offenbarung vor der Thora, aber Israel erklärte im Schatten Gottes bleiben zu wollen.8) »Bis der Tag sich verkühlt und die Schatten fliehen, *) Ri. 9, 15, *) Jes. 4, 6. 8) 25, 4—5. 4) Jesaj. 32, 2. Vom Felsschatten erzählt der Sohar: R. Eleasar, Joße und R. Chija wanderten durch die Wüste und unterhielten sich. Da die Sonne brannte, setzten sie sich unter den Schatten eines Felsens, und erquickt rief R. Eleasar aus: Wahrlich, der Schatten ist eine Labung der Seele (III 214 b). Auch Hesiod spricht von Felsschatten, Opera 591. Ein Riese aß einen Granatapfel und warf die Schale weg, da gingen die zwölf Auskundschafter des heiligen Landes hinein, um sich dort zu beschatten (Baal Hatturim zu Num. 13, 33). ß) Hosea 4, 13. Von Egypten sagt Juda ha-Levi: nntM JPttfl« ntofl IrtK bvb miO W, Brody Nr. 19. p. 181. Das verführerische Weib sitzt im Sch. mit entblößten Armen. Machsor Vitry 343. e) Jonah 4, 6—8. 7) Hohel. 2, 3. 8) Schir r. z. St. Ps. 92, 13 wird der Garechte mit Palme und Zeder verglichen. Nicht etwa der Palme, die keinen Schatten hat und zu Holzarbeiten nicht geeignet ist, sondern der Zeder, die beide Eigenschaften besitzt. Baraitha der 32 Normen 21. Nach Num. r. 3, 1 hat die Palme einen

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