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Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde · 1908-01-01 · 4 (1908) · p. Seite 169

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Journal
Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
Volume
11 (1908)
Issue
4 (1908)
Date
1908-01-01
Page
Seite 169 (sequence 41)
Language
German
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— 169 — mahlte darf während der ersten 3 bis 9 Monate nicht ausgehen und das Gesicht nicht aufdecken. Am zehnten Tage nach der Hochzeit wird ein Mittagsmahl für die Verwandten hergerichtet. Gewöhnlich heiraten die Mädchen sehr früh, so daß sie gewöhnlich mit 15 Jahren schon Mütter sind. Die unter denBergjuden herrschenden Krankheiten sind meistens die Folge ihrer Unwissenheit und der unrichtigen Behandlung der Kranken. Die bösen Geister sind vermeintlich die Ursache aller Krankheiten und können durch Zureden und Schenkungen bewogen werden, ihre Opfer frei zu lassen. Dazu werden persische Barbiere, Zauberer und andere Charlatane berufen, denen man den Kranken anvertraut. Trotz ihrer offenbaren Charlatanerie werden sie im Dorfe viel mehr geachtet, als ein echter Arzt. Die Behandlung eines an Gelbsucht Leidenden kann als gute Illustration ihrer Behandlungsweise dienen. Dem Gelbsüchtigen wird eine gelbe Schnur um das Kreuz gebunden, dann gibt man ihm ein Pulver aus gestoßenem Bernstein im Wasser und endlich lebendige Läuse in Honig. Nach der Meinung der Bergjuden kommt die Gelbsucht vom Ärger. Wenn jemand einen Schlaganfall bekommt oder in Ohnmacht fällt, so wird es dem „bösen Auge" zugeschrieben. Gegen das böse Auge hilft, wenn dessen Besitzer das Gesicht des Kranken mit seinem Speichel bestreicht. Um zu erfahren, ob die Krankheit vom „bösen Auge" oder von irgend einer anderen Ursache herkommt, wirft man ein bischen Mehl gegen eine Wand; bleibt das Mehl kleben, dann ist ein „böses Auge" die Ursache der Krankheit, wenn nicht, muß eine andere Ursache gesucht werden. Um zu erfahren, wem das „böse Auge" gehört, macht man Kügelchen aus Teig, wirft sie ins Feuer und sagt dabei die Namen der Männer und Frauen her, die der Kranke zuletzt gesehen hat Wenn die Kügelchen dabei, ohne zu platzen und ohne aus dem Feuer zu springen, brennen, dann ist niemand von den genannten Personen an der Krankheit schuld. Wenn aber ein Kügelchen platzt und aus dem Feuer springt, dann schickt man sogleich zu der betreffenden Person um ihren Speichel und schmiert das Gesicht des Kranken damit ein. Das schuldige Kügelchen aber wird zerstoßen und dem Kranken mit Wasser eingegeben. Gegen Fieber trägt man verschiedene Talismane. Auch das Mittel gegen Erschrecken ist erwähnenswert. Ist jemand die Ursache des Erschreckens eines anderen, woran dieser erkrankte, dann muß der Schuldige seine Hand waschen und dieses Wasser dem Erkrankten zu trinken geben. Sobald ein Bergjude stirbt, gerät das ganze Dorf in Aufregung. Alt und jung, Männer und Frauen, Bekannte und Unbekannte, alle eilen, um dem Toten die letzte Ehre zu erweisen. Dabei spielen die Frauen die Hauptrolle. Sie ziehen, als Trauerzeichen, weiße Tücher und gelbe Schuhe an und kommen ins Haus des Verstorbenen. Die Männer räumen ihnen. das Zimmer und gehen in den Hof. Fünf junge Leute begeben sich zum Friedhof, um dort die Gruft zu graben. Die Frauen umkreisen das Bett des Toten und be-

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