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Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde · 1908-01-01 · 4 (1908) · p. Seite 167

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Journal
Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
Volume
11 (1908)
Issue
4 (1908)
Date
1908-01-01
Page
Seite 167 (sequence 39)
Language
German
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— 167 — sein Vesir und links der Bräutigam. Alle klatschen in die Hände, dem Klange einer Trommel und eines Saiteninstrumentes taktmäßig folgend. Unter den Frauen gibt es auch eine, die die Tänze leitet. Die Nacht von Dienstag auf Mittwoch führt man die Braut ins Bad. Sie wird von ihren Freundinnen und einer jungen Frau, die zur Kada-Katun (Brautmutter) gewählt ist, begleitet. Nach Hause zurückgekehrt, flechten sie ihr nasses Haar und singen traurige Lieder dabei. Dann bereiten sie ihr reine Wäsche vor und warten, bis man das Brautgewand vom Bräutigam bringt Am vierten und letzten Tage wird die eigentliche Trauung vollzogen. Des Morgens bringt man der Braut das Brautkleid und die Geschenke des Bräutigams inBegleitung einer ganzen Gesellschaft mit Musik. Die Männer tragen Gefäße mit Wein und die Frauen Platten mit Brautkleidern, gebratenen Hühnern, Gänsen und dergleichen für die Eltern der Braut. Dann begibt sich die ganze Gesellschaft zum Bräutigam. Drei Stunden, bevor er ins Bad geht, findet eine Auktion statt. Hier werden die Hochzeitskleider des Bräutigams für die Zeit seines Badens, außerdem auch das Kecht, dem Bräutigam die Strümpfe anzuziehen, den Kopf zu rasieren, den ersten Kuß auf den rasierten Kopf zu geben, versteigert. Um 12 Uhr vormittags begibt sich der Bräutigam in Begleitung des Schachs und seines Gefolges ins Bad. Abb* 3- Ber^nde aus Daghestan. Die Prozession wird von Musik begleitet. Während der Bräutigam badet, tanzt das Gefolge draußen, und kein Wind und Frost können dieses Tanzen verhindern. Nach dem Bade küssen ihn alle auf den Kopf, die Frauen bestreuen ihn mit Eeis und Mehl, als Symbol des Eeichtums, der Fruchtbarkeit und Reinheit des Familienlebens, alle anderen singen dabei tartarische Lieder oder hebräische Hymnen. Vom Bade begeben sich alle zur Braut, wo sie deren Eltern und Verwandten am Eingange erwarten. Der Bräutigam fällt vor ihnen auf die Kniee und küßt ihre Hände und Füße, als Zeichen der Ergebenheit. Die Eltern führen ihm die Braut zu und segnen sie mit Tränen in den Augen. Das Gesicht der Braut ist mit einem seidenen Tuche, an dem zwei oder drei Beihen Silber- und Goldmünzen hängen, bedeckt. Die Braut und der Bräu-

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