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Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde · 1908-01-01 · 4 (1908) · p. Seite 154

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Journal
Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
Volume
11 (1908)
Issue
4 (1908)
Date
1908-01-01
Page
Seite 154 (sequence 26)
Language
German
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— 154 — geben als einen kalben orts Gulden. Beyde Theile, Braut und Bräutigam mögen den Spielleuten etwas mehr geben, und sollen beyde Tbeilen ausdrücklich darauf accordiren. Wann dieses die Spielleute übertretten, so sollen sie in einem Jahr nicht gebraucht werden." Studenten, Diener, Mägde oder Fremde, die Hochzeit hielten, durften „nicht mit Musicanten. über die Gassen, so wohl zum Tanz, als zum Stein und Copulation gehen."*) Ganz verboten wurde das Vorausziehen der Musik bei Hochzeitszügen in Württemberg durch die dortige Synagogenordnung vom Jahre 1738.2) Über die Herkunft der Fürther Klesmorim unterrichtet uns Haenle3), indem er schreibt: „Eine eigentümliche Bevölkerung hatte Tennenlohe, sie lieferte die jüdischen Spielleute für die ganze Umgegend. Diese „Zinkenisten", wie sie allgemein genannt wurden, kamen weit herum und sollen sich, wie der k. Polizeikommissar vermutete, auch noch mit anderen Dingen als dem Betriebe der Musik abgegeben haben." Was hier — wohl im üblen Sinne — als Vermutung ausgesprochen wurde, wird aus einer anderen Gegend von anderer Seite bestätigt, indem Karl Friedrich von Klöden in seinen Jugenderinnerungen (Leipzig, 1875) vom Jahre 1800 aus Märkisch-Friedland sagt: „Nun gab es in Friedland keinen Stadtmusikanten; sondern fünf Juden, welche nebenher Handel trieben, besorgten die Musik. Ihre Kapelle bestand ans zwei Violinen, einer Klarinette, einem ViolonceU und einem Haekebrett. Nur die erste Geige spielte nach Noten, alle übrigen nach dem Gehör, und unter diesen der ViolonceUist, ein kleiner graubärtiger Alter, mit vielem Geschick. Er kannte keine Note und wußte von keinem Tone, wie er hieß; aber ein sehr gutes Gehör ließ ihn jede Wendung der Melodie, jede Ausweichung scharf verfolgen, und dadurch wurde er in den Stand gesetzt, meist ohne Fehler richtig harmonisch zu begleiten. Auch der Hackebrettspieler war ein alter Mann und nicht ungeschickt.4) Das Hackbrett (Zymbal) war allenthalben das Lieblingsinstrument der Klesmorim, wie ja auch Mickiewicz in seinem Pan Tadeusz einen solchen: „Jankiel der Zymbalschläger" poetisch schildert. Jankiel war auch keineswegs ein bloßes Phantasiegebilde Mickiewicz's, sondern der in Petersburg lebende vorzügliche Zymbalschläger Jankiel Liebermann, den Mickiewicz spielen hörte, und auf dessen Wunsch er sich in sein Album einschrieb, hatte ihm dabei als Modell vorgeschwebt.5) Erwähnt finden wir einen solchen Hackebrettspieler zuerst 1662 in Lissa, wo die Klesmorim sich einiger Privilegien erfreuten, die ihnen von dem 1691 verstorbenen Grafen Boguslaus Leszczynski, Bischof von Luzk, verliehen und am 24. April 1702 durch Graf Bafad VII. Leszczynski, wie auch 1710 durch König Stanislaus Leszczynski erneuert wurden. Das letzte Privilegium besagt, daß die jüdischen Musikanten auch bei Christen zum Vergnügen und bei freudigen Gelegenheiten musizieren dürften, ausgenommen bei christlichen Hochzeiten und Taufen. Der Sicherheit wegen ließen sie ihr Privilegium 1730 in die Grodbücher eintragen. Den Stadtmusikanten wird darin verboten, ihnen 1) Würfel, Hist. Nachricht v. d. Judengemeinde Fürth. S. 18, 141,146 u. 135. 2) Allg. Zeit, d. Judent. 1838. S. 143. 3) Gesch. d. Juden in Ansbach S. 190.. 4) Zeit. d. Judent. 1875. S. 324. 5) Nehring, Litterarische Studien. S. 316. (Zeit. d. Judent. 1890. S. 351.)

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