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Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde · 1908-01-01 · 4 (1908) · p. Seite 142

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Journal
Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
Volume
11 (1908)
Issue
4 (1908)
Date
1908-01-01
Page
Seite 142 (sequence 14)
Language
German
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— 142 — von Richard Gosche damals gerade begründeten Archivs für Literaturgeschichte einen Essai „Zur jüdisch-deutschen Literatur"*), an den sich eine deutsche Transkription aus dem Samuelbuch Basel 1612 Bl. 72b—74a anschließt, enthaltend die Schilderung vom Tode Absaloms2). In dem gleichen Aufsatz gibt er auch eine Probe aus seinem Exemplar des Zuchtspiegel3), Frankfurt a. M. 1680, ja Lotze scheint sich mit besonderer Vorliebe dieser Volksliteratur angenommen zu haben, da er sogar einen Verein für jüdisch-deutsche Literatur gegründet haben soll4), über dessen Tätigkeit ich indessen nichts erfahren konnte. Wenn sein Essai im Archiv auch wenig systematisch und nur in den allgemeinsten Umrissen gehalten ist, so dürfte er immerhin für uns in doppelter Hinsicht beachtenswert sein. Einmal nämlich bedeutet dieser Artikel, seit von der Hagens Vortrag in der Berliner Akademie der Wissenschaften, einen kleinen Fortschritt auf dem Gebiete jüdisch-deutscher Literaturforschung, nachdem inzwischen Steinschneider die Denkmale dieser Literatur in seinen bibliographischen Werken gesammelt und gesichtet hatte. Sodann aber knüpft sich an Lotzes Veröffentlichung jene lebhafte literarische Kontroverse zwischen Professor Zarncke und Bichard Gosche, den Herausgeber des Archivs, welche die Priorität eines deutschen, Ingolstadt 1562 gedruckten Samuelbuches und dessen Verfasser Paulus Aemilius zum Gegenstand hat. Diese Polemik, aus der hier die wichtigsten Punkte hervorgehoben seien, entstand folgendermaßen: Durch ein Zitat in Schmellers Bayrischem Wörterbuch wurde Lotze auf den Ingolstadter Druck des Paulus Aemilius aufmerksam # gemacht5). Anstatt nun die beiden vorliegenden Werke zu vergleichen, ging er von der Voraussetzung aus, in dem Basel 1612, also später erschienenen Druck, dennoch ein Original gefunden zu haben. In einer Rezension des Archivs bespricht Zarncke im „Literarischen Centralblatt"6) auch den Aufsatz Lotzes und findet dessen Auszüge aus dem Samuelbuch ganz unmotiviert, „da sie x) Lotze, Archiv f. Literaturgesch. I, S. 90f. 2) Ebenda S. 94 f. 3) Ebenda S. 98 f. 4) Steinschneider, Sehr. Bibl. IX, S. 59; Ders., Archiv f. Literaturgesch. II, S. 14. 5) Lotze, Archiv f. Literaturgesch. I, S. 96. 6) Zarncke, Literarisches Centralblatt Sp. 1298.

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