Mannheim
Compact Memory

Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde · 1908-01-01 · 4 (1908) · p. Seite 143

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
Volume
11 (1908)
Issue
4 (1908)
Date
1908-01-01
Page
Seite 143 (sequence 15)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
92% known words query
IRI
…/2638044-2638087-2638091--0672-2640655
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

— 143 — doch nur durch eine Vergleichung mit dem deutschen Original und durch eine Besprechung der etwaigen Abweichungen hätten Wert erhalten können," eine Ansicht, die er in einem Briefe an Gosche noch näher begründete, worauf dieser das Gegenteil behauptete. Nun veröffentlichte Zarncke einen Beitrag zu der von Paulus Aemilius herausgegebenen poetischen Übersetzung der Bücher Samuelis1). In wenig literarhistorischer Methode, ohne zunächst dem wichtigen Umstände nachzugehen, daß das Samuelbuch als wahrscheinliches Volksbuch zu verschiedenen Zeiten bearbeitet und nachgedruckt worden sein kann, schließt er einfach aus dem Titel des Werkes wie aus dem salbungsvollen, an die Fürstin Frau Anna, Pfalzgräfin bei Rhein, gerichteten Vorwort, daß Paulus Aemilius der Originaldichter des Samuelbuches sei. Was nämlich die Vorrede anbetrifft, so urteilt Zarncke von ihr: „Gewiß schildert man so nicht eine Arbeit, in der man nichts weiter getan, als ein jüdisch-deutsches Original aus hebräischer Schrift in hochdeutsche Buchstaben umgesetzt, und gewiß macht des Verfassers Berufung auf die heilige Schrift nicht den Eindruck, als gehe er mit eitel Lug und Trug um",2). In Bezug auf den Titel stützt sich Zarncke3) namentlich auf den Passus auß dem Hebraifchen buchftaben mit fleiß in mfer Hochteütfch gebracht, woraus nur folgen könne, daß Aemilius den hebräischen Originaltext vor sich gehabt und poetisch bearbeitet habe, da „buochftap" in diesem Zusammenhange nur Sprache bedeuten könne, wofür verschiedene Belege beigebracht werden. Von dem jüdisch - deutschen Gedicht, dessen Bearbeitung dem hebräischen Original viel näher komme, sagt Zarncke demgemäß kurz aus, daß es nur eine „flüchtige und rohe Übertragung" des deutschen sei4). Dieser etwas voreiligen und irrigen Auffassung ist dann Gosche in einem geharnischten offenen Sendschreiben entgegengetreten, wobei es immerhin merkwürdig bleibt, wie wenig Lotze, trotz seiner Kenntnis der jüdisch-deutschen Literatur, diese Angelegenheit selber zu vertreten wußte. Gosche weist nun zu-!) Zarncke, Des Paulus Aemilius Romanus Übersetzung der Bücher Samuelis (Berichte über d. Verhandig. d. Kgl. Sächsischen GeseUschaft d. Wissenschaften zu Leipzig, phil.-hist. Klasse XXII), S. 212 f. 2) Ebenda S. 214—5. 3) Ebenda S. 226. Ebenda S. 225.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.