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Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde · 1908-01-01 · 4 (1908) · p. Seite 141

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Journal
Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
Volume
11 (1908)
Issue
4 (1908)
Date
1908-01-01
Page
Seite 141 (sequence 13)
Language
German
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— 141 — 1612, aus dem Lotze später selbst Proben veröffentlicht hat1), wie überhaupt Hildebrand diesem Gelehrten seine erste Anregung zur Beschäftigung mit der jüdisch-deutschen Literatur verdankt. Ich füge hier einen Auszug aus dem Referate Bosslers hinzu, in welchem dieser über den Vortrag Hildebrands berichtet, womit gleichzeitig meine bisherigen Andeutungen ergänzt werden sollen, daß der jüdisch-deutschen Volksliteratur auch von germanistischer Seite die wissenschaftliche Anerkennung nicht versagt blieb: „Dr. Hildebrand sprach alsdann über die jüdisch-deutsche schöne Literatur und machte namentlich interessante Mitteilungen inbetreff eines im Besitze des Herrn Dr. Hermann Lotze in Leipzig befindlichen, zu Basel im Anfang des XVI. Jahrhunderts2) mit hebräischen Lettern gedruckten Buches, welches eine poetische Bearbeitung der Bücher Samuelis enthält. Proben daraus lassen es als ein episches Gedicht des XIV. Jahrhunderts in der Nibelungenstrophe erkennen mit dem vollen Nachklange der alten Volksdichtung. Die hebräischen Lettern beweisen aufs deutlichste, daß es eine für die Juden bestimmte Dichtung eines Juden ist, denn von anderen konnte dieser die Kenntnis jener Schriftzeichen wohl nicht voraussetzen. Wir haben also hier auch einen Juden als epischen Dichter3), und es entspringt daraus für die deutsche Literaturgeschichte ein doppelter Gewinn, nicht allein ein literarischer, sondern auch ein nationaler .... Da Hildebrand bei dieser Gelegenheit auch auf die altdeutsche Sitte des Botenbrotes zu sprechen gekommen war, so gründete er auf mehrere mitgeteilte Beobachtungen die Behauptung, daß die Juden im Mittelalter recht eigentlich die Träger der deutschen Kultur nach Osten gewesen, wohin sie aus Deutschland eingewandert seien"4). Herrn. Lotze, Friedrich Zarncke und Richard Gosche. Die von Hildebränd in seinem Vortrage angekündigten Mitteilungen Lotzes über die jüdisch-deutsche Literatur nebst Proben aus dem Samuelbuch sollten nicht lange auf sich warten lassen. Schon ein Jahr später veröffentlichte dieser im ersten Heft des *) fliehe S. 142. 2) Da der Druck Lotzes Basel 1612 datiert ist, wie er später selbst angibt, muß es natürlich heißen „im Anfang des XVII. Jahrhunderts". 3) D. h. neben dem Lyriker Süßkind von Trimberg, über den auf derselben Versammlung kurz vorher referiert wurde. 4) Hildebrand, Germania XIV, S. 128.

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