Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Journal
- Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Volume
- 11 (1908)
- Issue
- 4 (1908)
- Date
- 1908-01-01
- Page
- Seite 132 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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— 132 — Handschrift. Was nun diese letztere anbetrifft, so ist es von besonderer Bedeutung für uns, daß Wolf aus dem Kolophon der Handschrift als Verfasserin derselben eine Frau Litte von Regensburg feststellt. Diese Annahme ist von späteren Gelehrten vielfach übernommen, aber auch schon angezweifelt worden, bis schließlich im XX. Jahrhundert, wie ich weiter unten zeigen werde *), das Märchen von einer jüdisch-deutschen Schriftstellerin namens Litte von Regensburg seiner Geschichtlichkeit gänzlich beraubt werden sollte. Franz Delitzsch. Nach Wolf finden wir die poetischen Bearbeitungen des Samuelbuches, soweit ich feststellen konnte, nirgends verzeichnet: weder bei zeitgenössischen Schriftstellern wie Wagenseil und Schudt2), noch auch bei früheren oder späteren Grammatikern, welche in ihren Abhandlungen über das Jüdisch-deutsche gewöhnlich derartige Werke anführen, bisweilen auch dem Leser daraus Specimina zur Einübung der Schrift bieten. So zählt z. B. Buxtorf, der den Grund zu einer jüdisch-deutschen Grammatik legte, in der mir zur Verfügung stehenden 6. Auflage seines „Thesaurus grammaticus linguae sanctae hebraeae" eine ganze Reihe jüdischdeutscher Werke auf wie: „Libri Exodi, Jehosuae, Jeremiae, Ezechielis, Danielis, Cantici Canticorum, paraphrastice redditi"3) und andere, ohne des Samuelbuches Erwähnung zu tun. Es scheint, als ob dasselbe mit der Basel 1612 erschienenen, vermutlich letzten Ausgabe allmählich in Vergessenheit geraten sei. Erst im zweiten Viertel des XIX. Jahrhunderts finden wir es wieder von Franz Delitzsch hervorgehoben in seinem Werk „Zur Geschichte der jüdischen Poesie", dessen 17. Paragraph der jüdischen Poesie im deutschen Reiche gewidmet ist4). Nachdem er dort über die jüdisch-deutsche Volksliteratur ethischen und profanen Inhaltes gesprochen, fährt er fort: „Auch die Schrift wurde in 1) Siehe S. 147 f. 2) Z. B. ist nichts hei Wagenseil, Belehrung der Jüdisch-Teutschen Red- und Schreibart, über das Samuelbuch verzeichnet. Wagenseil begnügt sich überhaupt nur zu bemerken, daß in jüdisch-deutscher Sprache eine Anzahl von Werken publiziert wurde. Auch Schudt erwähnt in den Jüdischen Merclcwürdigkeiten besagtes Buch nicht. ») Buxtorf, a. a. 0. S. 640. 4) Delitzsch, a. a. 0. S. 79 f.