Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Journal
- Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Volume
- 11 (1908)
- Issue
- 3 (1908)
- Date
- 1908-01-01
- Page
- Seite 127 (sequence 39)
- Language
- German
- Belongs to
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— 127 — ausgespuckt haben. Das tun sie, um die bösen Geister nicht zu erzürnen, da die Lauchschalen ihr Geld sei1). „Semirej" ist der Gott des Kegens, des Donners und Blitzes. Während der Dürre versammeln sich die Bergjuden auf dem Friedhofe, fasten und bitten Gott um Eegen und die Kinder singen ein Lied, in dem sie „Semirej" erwähnen. Unterdessen sind die Frauen damit beschäftigt, Frösche in Kleider aus Seide zu stecken, in der Hoffnung, daß auch diese dafür Gott um das für alle Geschöpfe nötige, köstliche Naß bitten werden. Seltsamerweise rechnet Anissimow auch „ILeh-Novi", den Propheten Elias, zu den Geistern. Er erscheint nur in der Nacht von Samstag auf Sonntag, weshalb diese Nacht die Nacht des Propheten Elias heißt. In jedem Hause wird für ihn eine besondere Speise zubereitet. Wollen die Frauen die Speise nicht zubereiten, dann werden sie geprügelt, was in diesem Falle als gottgefällige Tat erscheint, da es zu Ehren Elias geschieht. Derjenige, der das Glück hat, „Heh-Novi" zu Gast zu haben und ihn gut bewirtet, wird reich und von allen geehrt, der Reiche hingegen, der „Ileh-Novi" nicht hereinläßt, arm. Dem Volksglauben nach besucht „Heh-Novi", als Armer verkleidet, den Hochzeitsschmaus. Wird er gut empfangen und unter die Ehrengäste gesetzt, dann dürfen die Neuvermählten ihres Glückes sicher sein. Wird er schlecht behandelt, dann stirbt eines von ihnen. Deshalb laden die Bergjuden alle Einwohner des Dorfes zur Hochzeit ein und setzen die Armen mit den Reichsten zusammen. l) Vgl. uns. „Mitteilungen" II, S. 26. D. Eed. (Fortsetzung folgt.) Büclierscliau. Wünsche A., Der Sagenkreis vom geprellten Teufel. Leipzig und Wien 1908, Akad. Verlag. Kr. 3,60. II, 128 S. Gründlichkeit und geschmackvolle Darstellung zeichnen, wie alle Arbeiten Wünsches, auch diese Studie aus. Aus Babylon führt uns seine sichere Hand über Palästina nach dem Westen, durch die nordische wie die romanische Sagenwelt. Bei einem so trefflichen Kenner der Haggada nimmt die Benützung auch des Talmuds und Midrasch nicht Wunder (S. 18, 51, 98). Zahlreich sind die volkskundlichen Parallelen zum Prolog des Buches Hiob (S. 82). Einiges kann aus diesen „Mitteilungen", besonders Heft II, nachgetragen werden. M. Obermeyer J., Modernes Judentum im Morgen- und Abendland. Wien und Leipzig 1907, Carl Fromme. X, 165 S. Kr. 3.—. Montesquieu's berühmte „Lettres persanes" waren kaum erschienen und hatten durch das Weltgelächter, das sie entfesselt, ihr Anrecht auf Unsterblichkeit erwiesen, als allenthalben in der Literatur solche „Perser" zu spuken begannen, deren Satire freilich nicht selten