Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Journal
- Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Volume
- 11 (1908)
- Issue
- 3 (1908)
- Date
- 1908-01-01
- Page
- Seite 128 (sequence 40)
- Language
- German
- Belongs to
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— 128"" — über das Ziel hinausschoß. Oberinayers „Araber" haben den Vorzug,. Wesen von Fleisch und Blut, ihre Erzählungen das Bedauerliche, keine „arabischen Märchen" zu sein. Bedauerlich sind die geschilderten Zustände um so mehr, als, das Bild, das uns in dem Buche entgegentritt* im großen und ganzen der Wirklichkeit entspricht. Worin es fehlt, das ist die Einseitigkeit, mit der hier ein Stubengelehrter oder gar ein Europafremder über Zustände urteilt, die auf dem Wege einer Entwicklung liegen, wie sie in gewissen westjüdischen Kreisen ganz naturgemäß, hoffentlich zu einem glücklichen Ziele, verläuft und so verlaufen mußte. Einzelne Zerrbilder sind gar zu engherzig nach ganz besonders in die Augen fallenden Modellen entworfen, die entschieden als triste Ausnahmen gelten müssen. Der Verfasser hätte die Balance sicher nicht verfehlt, wenn er bei der Schilderung jüdischer Zustände, nach dem durchaus gerechten Grundzug der vergleichenden Darstellung, einen Blick in die religiösen Verhältnisse der Umgebung geworfen hätte. So in seiner Halbheit erscheint das Buch eher als ein Pamphlet, denn als eine fruchtbare sachliche Kritik, die es bei der großen Vertrautheit mit den einschlägigen Quellen und der offenbar edlen Absicht hätte werden können. M. [Lassalle F.] Intime Briefe Ferd. L.'s an Eltern und Schwester.. Hrsg. von Ed. Bernstein. Berlin 1905. Vorwärts. 172 S. Die Briefe zeigen uns in Lassalle den zärtlichsten Sohn, den treuen Bruder. Der Herausgeber hätte gut daran getan, die jüdischdeutschen Einstreuungen von fachkundiger Hand übersetzen zu lassen. „Tachlessachen" (S. 18) sind „Familienusw. Klatsch". Die „scherzhaften jüdischen Ausdrücke", auf die S. 131 hingewiesen wird, hätten, als charakteristisch, vielleicht Aufnahme finden können. Es ist bemerkenswert, daß L. (S. 77) selbst von sich sagt, dass er „nicht bloß Chutzpe habe, sondern daß auch etwas dahinter steckt". An den Vater schreibt er (S. 82): „Wenn Du sagst, die Mutter studiert Geseires, so hast Du diesmal ,eine wahre Professur6 darin verdient." Den Vater nennt er scherzhaft (S. 86) „geliebter Szaurer ben Maurer", er, „das Ben jocbetel", hat ihm „eine ganze Megille zu antworten". Er soll seinen Eltern, die ihn in Berlin besuchen wollen, in der Nähe der „Schule" (Synagoge) eine Wohnung mieten „eine Meile von mir! Doch dafür seid Ihr nun einmal Juden! Und ein Jüd ist bekanntlich selbst noch in seinem Naches geplagt!" Ein Brief an die Eltern (S. 143) ist ein Glückwunsch zu „Rescheschone . . . CRausch ha schono, um richtiger zu schreiben)". M. DibeHus M.? Die Lade Ihves. Göttingen, Vandenhoeck u. Ruprecht, 1906. (Forschungen zur Religion u. Literatur des Alten u. Neuen Testaments, hrsg. v. Bousset u. Gunkel.) VII, 128 S. . Die Forschungen über das Wesen und die Bedeutung der Bundeslade bilden eine umfangreiche Literatur, der es nicht an Kuriositäten: "mangelt. So wollte schon Bendavid (1797) mit Beziehung auf II. Sam. 6, 6 f. in der Lade eine Art Leidener Flasche sehen! Auf Grund einesumfassenden religionsgeschichtlicben und bibelkritischen Materiales gelangt der Verf. zu der Vorstellung der Lade als eines Kastenthrones (S. 118). „Unter dem Einfluß babylonischer Vorstellungen hatte man in oder außerhalb Palästinas die Lade gefertigt." In Bethel und Silo errichtete man ihr einen Tempel. Nach der Einwanderung der Hebräer wurde diese Lade des Himmelsgottes zur Lade des Hebräergottes. Das Resultat war, daß über der Lade Gottes genannt wurde der Name des Herrn der Heerscharen, der über den Kerubim thront. Gleichviel obj man diesem Ergebnis zustimmt oder es ablehnt, als Beitrag der ver-£ gleichenden Religions- und altorientalischen Kulturgeschichte wird die' Arbeit ihren Wert behaupten. R. S.