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Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde · 1908-01-01 · 3 (1908) · p. Seite 126

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Journal
Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
Volume
11 (1908)
Issue
3 (1908)
Date
1908-01-01
Page
Seite 126 (sequence 38)
Language
German
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— 126 — keinen Schaden antun. Einige stellen auf den Boden eine Tasse mit Honig und glauben, daß dann „Oschdehoje-Mar" selbst aus dem Neste herauskommt, um die Qualität des Opfers zu prüfen. Dieser Geist gehört zu den guten und sorgt für den Wohlstand der Familie. „Ser-Ovi" (Wasserkopf), der Wassergeist, hat die Gestalt einer Jungfrau, weiß wie Schnee. Sie lockt die jungen Leute ins Wasser, aber nach dem Volksglauben fürchtet sie sich vor Damascenerstahl. Deshalb hält man, wenn man nachts um Wasser zum Brunnen geht, etwas Stählernes in der Hand und schwenkt es hin und her. Besonders oft sucht dieser Geist schwangere Frauen und Wöchnerinnen zu überlisten. Deshalb läßt man eine Wöchnerin nie im Zimmer allein. Sonst erscheint er vor ihr in Gestalt einer Verwandten, nähert sich ihr, nimmt die Decke herunter und raubt ihr das Herz, die Leber oder andere Eingeweide. „Schehadu" ist ein böser Geist, der in verschiedenen Gestalten erscheint, um den Menschen zu beirren. Meistens ist aber dieser böse Geist einem Menschen ähnlich und unterscheidet sich von ihm nur dadurch, daß er Hörner und einen Schwanz, außerdem noch breite Füße und Hände mit sechs Fingern, die fächerartig aufgestellt sind, besitzt. Von den Eänken dieses bösen Geistes erzählt man Folgendes: Es lebte in einem Dorfe eine Hebamme, Gegej-aä. Einst kam zu ihr spät in der Nacht einer von ihren Verwandten und bat sie zu sich, um seiner Frau bei der Niederkunft Hilfe zu leisten. Sie gingen sehr lange und da es dunkel war, konnte sie nicht beurteilen, ob sie den richtigen Weg gingen. Als sie ihre Zweifel dem Begleiter äußerte, beruhigte er sie. Endlich kamen sie zu einem kleinen Häuschen. Beim Eintritt der Hebamme ins Haus erhoben sich alle und stellten sich rings um die Tür. Die Hebamme beugte sich zur Kranken, die auf dem Boden lag. Die Kranke fing vor Schmerzen zu schreien an, und alle Anwesenden stimmten ein Lied an, das lautete: „Wenn du einen Sohn geben wirst, wirst du am Leben bleiben, Hebamme! Wirst du eine Tochter geben, dann stirbst du!" Bei diesen Worten erhob die Hebamme den Kopf und wurde vor Schrecken starr. Alle Anwesenden hatten umgedrehte Finger und Hörner an der Stirn. Da verstand sie, daß es Teufel waren, und sie dachte an ihre Eettung im Falle der Geburt eines Mädchens. In ihrer Tasche fand sie ein Stück Wachs. Als nach einiger Zeit ein Mädchen geboren wurde, da machte die Hebamme einen Knaben aus Wachs, zeigte ihn den Anwesenden und bat, man solle sie nach Hause lassen. Die Teufel gaben ihr viel Gold und begleiteten sie nach Hause. Da wurde es Tag, die Teufel verschwanden, und sie sah statt des Goldes nur Lauchschalen; sie schleuderte sie weg und eilte fort. Später soll man auf derselben Stelle eine Goldmünze gefunden haben. Aus dieser Ursache werfen auch jetzt die Bergjuden die Lauchschalen weder ins Feuer noch auf die Straße, sondern sammeln und verbrennen sie, nachdem sie

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