Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Journal
- Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Volume
- 11 (1908)
- Issue
- 3 (1908)
- Date
- 1908-01-01
- Page
- Seite 125 (sequence 37)
- Language
- German
- Belongs to
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— 125 — bau und Tabakkultur, auch treiben sie Gerberei. Diese Beschäftigungen liefern Spitznamen für die Juden, indem die Tataren sie oft Tamaku (Tabak), Saktian (Leder) und Tayuk-puk (Vogelmist) nennen. Die letzte Benennung findet ihre Erklärung darin, daß beim Gerben der Häute Vogelmist gebraucht wird, den die jüdischen Gerber in den Dörfern sammeln. Nach der Ansicht der Tataren paßt solch „eine schmutzige Beschäftigung" nur für die Juden, nicht aber für die rechtgläubigen Mohammedaner. Die Bergjuden glauben, daß es außer Gott noch höhere Geschöpfe göttlicher Herkunft gibt, die unter Gottes Leitung stehen Abb. 1. Bergjuden aus Temiz-Chan-Schiira. und über die Natur und den Menschen große Macht ausüben. Dieser Glaube ist meist den Nachbarvölkern entlehnt. Einige dieser Geister sind sichtbar und erscheinen dem Menschen in Tierform, um ihn zu strafen oder zu belohnen. Die meisten Geister sind aber unsichtbarer Natur. Außerdem werden sie in gute und böse Geister eingeteilt. Hier zur Charakterisierung eine kurze Beschreibung einiger Geister. „Osehdehoje-Mar" (Schlangenungeheuer) ist ein Hausgeist. Er hat die Form einer Schlange mit sieben Häuptern und haust entweder unter dem Boden oder in der Decke des Zimmers. Es sieht ihn niemand, denn er kommt nie aus seinem Neste heraus, schickt aber seine Kinder ins Haus, die bei guter Behandlung