Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Journal
- Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Volume
- 11 (1908)
- Issue
- 3 (1908)
- Date
- 1908-01-01
- Page
- Seite 123 (sequence 35)
- Language
- German
- Belongs to
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— 123 — Die Kaukasischen Bergjuden. Von Dorothea "Wrissenberg, Elisabethgrad. Mit drei Abbildungen.1) Die große Zersplitterung in ethnologischer Beziehung, die uns der Kaukasus darbietet und die eine Folge seiner geographischen Lage und Struktur ist, gibt sich auch an seinen jüdischen Bewohnern kund. Der Kaukasus birgt zwei der Zahl nach kleine jüdische Gruppen, die geographisch yon einander seit Jahrhunderten getrennt leben und deshalb ethnographisch ganz und gar von einander verschieden sind. Nur ein Zug ist beiden gemeinsam, das zähe Festhalten am Judentum trotz der unmenschlichen Verfolgungen seitens der christlichen und mohammedanischen Wirtsvölker und trotz der völligen Abgeschlossenheit vom übrigen Judentum, in der sie bis zur Eroberung des Kaukasus durch Kurland verblieben sind. Aber auch nach dieser Eroberung ist herzlich wenig für sie geschehen, sowohl in kultureller als in ökonomischer Beziehung, und sie fristen im großen und ganzen noch heute, wie ehedem, ein kümmerliches Dasein. Eine genaue Erforschung der kaukasischen Juden wäre für die Ethnographie, Linguistik und Keligionswissenschaft gleich interessant. Denn die eine Gruppe wohnt im Westen, hauptsächlich in Grusien, unter christlicher Bevölkerung und ist unter dem Namen der grusischen Juden, von denen Chachanow im vorigen Jahrgange dieser „Mitteilungen" eine kurze Schilderung gegeben hat, bekannt. Die andere, Bergjuden genannt, wohnt hauptsächlich im östlichen Teil des Kaukasus unter der mohammedanischen Bevölkerung der Gebiete Daghestan, Ter, Baku und Elisabethpol.. Beide sprechen verschiedene Sprachen und führen ein nach Sitten und Gebräuchen verschiedenes Leben, das von der sie umgebenden Bevölkerung stark beeinflußt worden ist. In Anbetracht des Interesses, das die kaukasischen Juden jedem Forscher ohne Zweifel bieten, gebe ich hier als Seitenstück zum Aufsatze Chachanows über die grusischen Juden einen Auszug aus dem ausführlichen Bericht Anissimows, eines gebildeten Bergjuden, über seine Stammesgenossen, der noch jetzt nach 20 Jahren nicht veraltet ist. (Materialy po ethnographii III.) Die ganze Literatur über die kaukasischen Juden zählt leider, so viel mir bekannt, außer dieser nur noch zwei Arbeiten, eine in hebräischer (Tscherny, Sefer ha-massacot be'erez Kawkas, Petersburg 1884) und eine in französischer Sprache: Baron de Baye,, Les juifs des montagnes et les juifs georgiens. Paris 19022). 1) Für die Überlassung der Cliches sind wir der Redaktion des „Russischen Anthropologischen Journals" sehr verbunden. 2) S. jetzt die Literatur in The Jewish Encycl. Art. „Russia". D. Red.