Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Journal
- Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Volume
- 11 (1908)
- Issue
- 3 (1908)
- Date
- 1908-01-01
- Page
- Seite 122 (sequence 34)
- Language
- German
- Belongs to
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— 122 — Jeder Bewerber fand einen Grund, der ihn berechtige, den Nächsten zu beherrschen. Der Kopf sei der Sitz der Erkenntnis und wo diese ist, da fehlt nichts mehr. Der Mund ist der Dolmetsch der Wünsche und des Verlangens. Hände, Füße, Ohren, jeder konnte etwas Ähnliches vorbringen. Die Eingeweide aber wurden abgewiesen, da aller Unrat sie passiere. Trotzdem blieben sie fest bei ihrem Wunsche und, da die übrigen schwere Folgen befürchteten, sahen sie sich genötigt, denselben zeitweilig zu erfüllen, damit keine Gefahr entstehe. So ging es gut, aber dann nahmen sie die Herrschaft wieder von ihnen. Inzwischen weigerte sich der Mund, Nahrung aufzunehmen, allein auch diese Maßregel konnte sie nicht bewegen, vom Verlangen abzustehen. Damit die Gelehrtengeschichte auch nicht leer ausgehe, so stellen wir hier die in der Handschrift erwähnten Eabbiner zusammen: S. 43 erwähnt einen Eabbiner Feibusch, der in dem Wohnorte des Schreibers der Handschrift das Eabbinat bekleidete und S. 216 einen Eabbiner Löb in derselben Eigenschaft. Vielleicht ist es derselbe, der S. 77 erwähnt wird, "pattfr b$ "rSött Sn^ni n"pn i:stD ms n'^sa ■pran^K p'^na V'r n^b Tin^ p"p 'Y'na 1745x), danach wäre der Verfasser aus Eibenschitz in Mähren. S. 178 p*miB n^-nai nsa a^siasi« rrt> Ttsiü am bra cnnron ^n«sn und S. 100 Eabbiner Israel in Mißlitz. Zum Schlüsse fühle ich mich noch verpflichtet zu bemerken, daß ich die Handschrift von Herrn Eeligionslehrer A. Kohn in Mähr. Budwitz leihweise erhalten habe, wofür ich ihm hier meinen Dank ausspreche. x) Vielleicht identisch mit Arje Juda Löb Lipschütz aus Chludschin, Eabbiner in Eibenschitz, der im Jahre d. W. 4855 den Cherem mit mehreren Kabbin ern Mährens unterzeichnet (s. Monatsschrift 1887 p. 208). — Witzig erklärt Nr. 43, weshalb in der großen Synagoge in Alexandria die Handwerker, Gewerbetreibenden und Kaufleute nebeneinander ihre Sitze erhielten. Als Konkurrenten glaubte man, würden sie einander nicht hold sein und das Schwätzen während des Gottesdienstes dadurch vermieden werden. Heutzutage, meint der Kopist, wäre die Maßregel verfehlt, da auch Feinde in ihrer Falschheit miteinander sich unterhalten würden.