Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Journal
- Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Volume
- 11 (1908)
- Issue
- 3 (1908)
- Date
- 1908-01-01
- Page
- Seite 121 (sequence 33)
- Language
- German
- Belongs to
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— 121 — Dafür spricht die Erwähnung der Verfolgungen in Nr. 11: nättfl p*i ibipb ijütd «bvarrvifib topm 'pbis ns^nüb üon ans tfm n"n .(sie) DmrrD Ip^Tiin Im Jahre 408/9 (1648—49) kam die Gefahr nach Polen, die sie verleiten wollte, allein sie hörten nicht auf die Stimme des Verführers und hielten fest am Glauben. Die Chronisten der Jahre 1648—49 erzählen unzählige ähnlicher Fälle. Abraham ben Samuel Aschkenazi im aoaiblö ^isött (ed. von Gordon, nimn rrnipb II. p. 13) erzählt von einem Synagogendiener, der sich lieber dem Tode preisgab, als daß er seinen Gott verleugnete, ähnlich Gabriel ben Josua Schosberg in seinem s-QTün *>nns (ed. Pollak. p. 20): dwnn d^üfi lan nns *o a^pba nsTün by bbsnnbi ♦mm TiTOss »^tannb ni^bsün tdsu 101212 Es ist aus vielen Erzählungen ersichtlich, daß die Juden durch die Taufe im stände gewesen wären, sich zu retten. Nr. 35 erzählt von einem flüchtigen Polen, der mit seinem Gebete die ganze Gemeinde tief bewegt hat. Die Käuflichkeit der Vorsteherwürde (Nr. 14, 15), wie der Eabbinate (Nr. 53) wird sehr scharf gegeißelt und verurteilt. Einst sah ein Fürst oder Landesherr, daß mehrere sich drängten, ein Eabbinat unter seiner landesfürstlichen Herrschaft zu erreichen und viel materielle Opfer dafür bringen wollten. Da beschloß er, die Einkünfte sich zu nehmen und selber das Eabbinat zu verwalten. Nun geschah es eines Tages, daß man ihm eine rituelle Frage vorlegte, da gab er Koscherfleisch dafür, einmal aber ereignete sich eine (Nidda-)Frage bei einer Frau, da wollte er dem Fragesteller eine andere, nicht jüdische geben. Offenbar haben wir hier eine Persiflage der Unsitte, Eabbinate zu kaufen, vor uns. Same! Edels sagt bereits: „Wer heute Geld hat, kann sich ein Eabbinat kaufen" (siehe Chiddusche Haggadoth p. 40, Güdemann, Quellenschriften zur Geschichte des Unterrichts und der Erziehung bei den deutschen Juden, 1891 p. 302, ähnlich Salomo Lurja (Jam schel Schelomo, Baba Kania, VIII, 58, Güdemann, 1. c. p. 49; ferner Peiies, Geschichte der Juden in Posen, p. 74, Venetianer L., A zsidösäg szervezete az euröpai ällamok ban, Budapest 1902, 1341E.). Es war also gang und gäbe, daß Fürsten die Eabbinerwahl beeinflußten. Nr. 64: Eine Gemeinde beschloß, keinen Wanderprediger oder irgend einen Eabbiner anzuhören. Nr. 12: Der Prediger und ein Sünder. Für das Bildungs- und Erziehungswesen sind von Interesse Nr. 32, 36, 41, 49. Die Eeichen schicken ihre Kinder in die Fremde oder halten Hauslehrer. Die Zielscheibe des Spottes sind die geizigen, engherzigen Dorfbewohner und Bauern, Nr. 1 und 54. Das Verhältnis des Armen zum Eeichen, die gezwungene und unfreiwillige Wohltätigkeit des letzteren (Nr. 48, 37, 55) fehlen auch hier nicht, wie in allen moralisierenden Volksbüchern. Nr. 51 wird die alte Fabel von den Gliedern des Menschen erzählt, die wir auch in Shakespeares Coriolan aus dem Munde des M. Agrippa vernehmen: Die Glieder des Menschen stritten miteinander und jedes wollte König sein.