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Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde · 1908-01-01 · 3 (1908) · p. Seite 120

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Journal
Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
Volume
11 (1908)
Issue
3 (1908)
Date
1908-01-01
Page
Seite 120 (sequence 32)
Language
German
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— 120 — Eine hebräische AneMotensammlung ans dem XVIII. Jahrhundert. Von Dr. A. Marmorstein. In einer Handschrift aus der ersten Hälfte des XVIH. Jahrhunderts fand ich 75 Erzählungen. Die Handschrift rührt von einem Isak Arje ben Eliezer Vistels her, dessen Sohn Elia Zebi, geboren am 10. Adar 485 (oder 490?) 1725 (1730?), Eabbiner in Austerlitz (Mähren) gewesen ist. Die Handschrift enthält 230 Seiten, bis 225 Homilien zu den Perikopen im Geiste der Zeit und Auszüge aus zeitgenössischen Büchern, voll kabbalistischer Andeutungen und halachischer Erörterungen. Die Parabel in der heiligen Schrift legte in ihrer Entwicklung einen langen Weg zurück, bis sie als Gleichnis in der Schrifterklärung der Mischna- und Talmudlehrer ihren Platz gefunden hat. Der Gegenstand des Gleichnisses bleibt aber immer des Verglichenen würdig und zeigt den heiligen Ernst, den die Betrachtung erfordert Meistens ist der irdische König, seine Lebensweise, seine höfischen Kreise, Regierungsfehler und Herrschertugenden, seine Beisen und Vergnügungen der Mittelpunkt dieser Gleichnisse, in denen Gott verglichen wird. Selbst später, als der Brunnen der Midraschim verschüttet undversandet war und mit neuem Wasser der Lehre die Dürstenden nicht mehr laben und erquicken konnte, trat niemals Frivolität an die Stelle derselben, wie nicht selten in der christlichen Predigt. Hierüber gibt uns der Wortwechsel zwischen Jacobus de Vitracio und Vincentius Bellovacensis Aufklärung Luther tadelt scharf die Unsitte, komische und triviale Geschichten in Predigten anzuhäufen, obzwar er selbst in diesen Fehler verfällt. In der jüdischen Homiletik ist diese Entartung erst im XVII. Jahrhundert eingetreten. Sie dauert wohl hie und da noch in unseren Tagen an, erfreut sich aber nur in mit weniger ästhetischem Geschmacke ausgerüsteten Kreisen der Beliebtheit. Zweifelsohne haben wir auch hier eine Sammlung von Anekdoten und Erzählungen, Bonmots und Erklärungen von Namen und Wörtern vor uns. Wenn wir richtig sehen, bezweckte unser Verfasser, resp. Sammler nichts Anderes mit seiner Kompilation, als Erzählungen zusammenzustellen und zu erdichten, um sich derselben, nach Art und Wreise seiner Zeitgenossen, in seinen Vorträgen zu bedienen. Der Autor lebte wahrscheinlich in Polen und flüchtete vielleicht zur Zeit der Verfolgungen 1648—49 nach Mähren.!) S. darüber L. Katonas Abhandlung über die Parabeln des Pelbartus Temesväri (1902 p. 5 u. 7.) Budapest 1902.

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