Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Journal
- Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Volume
- 11 (1908)
- Issue
- 3 (1908)
- Date
- 1908-01-01
- Page
- Seite 117 (sequence 29)
- Language
- German
- Belongs to
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— 117 — Regesten zur Geschichte der Israelitengemeinde Nikolsburg. Von Dr. D. Feuchtwang und Wilhelm Toch. Mein ehemaliger Schüler, Herr Wilhelm Toch, jetzt Keligionslehrer der israel. Kultusgemeinde in Wien, hat sich vor Jahren auf meine Veranlassung emsig mit der Ordnung des Archivs der jüdischen (politisch-autonomen) Gemeinde Nikolsburg beschäftigt, deren Geschichte noch nicht geschrieben ist. Er opferte mit liebevoller Hingebung viel Zeit und Mühe, um die völlig vergessenen, verstaubten und in höchster Verwirrung befindlichen Papiere nur einigermaßen zugänglich zu machen. Leider haben Brände (1719, 1723 und 1728) die ältesten Urkunden für ewig vernichtet; und auch die steinernen Zeugen des Gottesackers reichen nicht allzuweit zurück. Aus einer der hier verzeichneten Urkunden vom 29. April 1727 geht hervor, daß im Jahre 1719 auf einem Mauerreste einer Synagoge, die ein Opfer des großen Brandes geworden war, eine Inschrift verkündete, daß dieses Gotteshaus vor 190 Jahren renoviert worden sei. Wir gelangen also in das Jahr 1539. Angenommen, dieses ehrwürdige Denkmal alter Zeit habe zur Zeit der Renovierung nur das bescheidene Alter von 50 Jahren gehabt, so ergibt sich das Jahr 1489. Damals schon muß Nikolsburg eine bedeutende Gemeinde gewesen sein. — Leider war es uns nicht möglich, unseren Plan, die Regesten zu überprüfen und die Originalurkunden in ausführlicher Darstellung zu verwerten, auszuführen. Unsere Arbeit wurde jäh unterbrochen. Nicht einmal der vorhandene Bruchteil konnte indiziert werden, da uns, aus bis heute nicht erklärten Gründen, das archivalische Material aus den Händen genommen worden ist. Meine Aufzeichnungen der bedeutsamsten Grabschriften des heimatlichen Gottesackers — ein Teil ist im Kaufmann-Gedenkbuche, ein anderer in der Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums, ein großer Teil in Grunwalds „Mitteilungen" 1. div. publiziert — im Vereine mit diesen vergilbten Papieren hätten einen Teil der Geschichte Alt- Nikolsburgs beleuchten können. Aber auch aus den hier veröffentlichten, nur allzu kurzen xluszügen der Aktenstücke leuchtet manches bescheidene Licht. Die Quälereien und Plackereien unserer Glaubensbrüder sind hier, wie allenthalben, Leitmotiv oder besser Leid-Motiv. Die traurige Gestalt des „Mosserers" (Jakob Gabriel) im Prozesse eines Augsburgers namens Pauer fehlt nicht. Die Flammen des dreißigjährigen und Erbfolge-Krieges züngeln auch in diesen Notizen. Drohende Ausweisungen und schwere Kontributionen verkünden sich in Stoßseufzern. — Vielleicht ist es uns doch noch vergönnt, die Lücken auszufüllen und das Fehlende zu ergänzen.