Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Journal
- Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Volume
- 11 (1908)
- Issue
- 3 (1908)
- Date
- 1908-01-01
- Page
- Seite 114 (sequence 26)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2638044-2638087-2638090--0642-2640624- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
— 114 — 1545 in Venedig eine wortgetreue Version der Psalmen von dem berühmten Grammatiker Elias Levita1). Das Werk, welches ich nicht aus Autopsie kenne, führt nach Grünbaum folgenden Titel: tröfift ^iöo da hat ir das ta^Pi aus tthipn fitöb gemacht in teutscher Sproch durch den gelernten man Eliah Bachur Aschkenasi ha-Levi2). Diese Übersetzung muß sich besonderer Beliebtheit •erfreut haben, wie aus den wiederholten Nachdrucken: Zürich 1558, Mantua 1562, Krakau 1598 hervorgeht. Auch von dem Buche Esther finden wir eine jüdisch-deutsche Übersetzung samt Paraphrasierung, welche zu Krakau im Jahre 1590 ediert wurde3). Nähere Angaben über das Werk, von dem ich einiges aus der Vorrede weiter* oben4) excerpiert habe, hat ebenfalls Grünbaum mitgeteilt5). Einen auch für die deutsche Sprachforschung nicht minder wichtigen Teil dieser biblischen Literatur bilden die jüdischdeutschen Bibelglossare, indem sie es gerade sind, welche in den zur Erklärung gebrauchten zahlreichen deutschen Wörtern mittelhochdeutsches Sprachgut in den reinsten Formen bewahrt haben. Schon aus dem XV. Jahrhundert datiert eine Handschrift, in der Münchner kgl. Hof- und Staatsbibliothek befindlich, welche zu Jesaias und den zwölf kleinen Propheten jüdisch-deutsche Worterklärungen enthält, über die Grünbaum berichtet: „Mehrere der hier vorkommenden altertümlichen deutschen Wörter kommen auch in den übrigen jüdisch-deutschen Glossaren und Übersetzungen — namentlich in den älteren — vor; andere Wörter aber sind nur diesem Kommentar eigentümlich und finden sich in keiner der anderen deutschen Schriften"6). In demselben Jahre als die lutherische Bibelübersetzung, „jenes Meisterwerk deutscher Sprache und deutschen Gemütes", vollständig erschien, wurde ein jüdisch-deutsches Glossarium ver-!) Elias Levita 1469—1549. Vgl. über ihn Geiger, Das Studium der hebr. Sprache in Deutschland, S. 56 f.; Bub er, Leben u. Schriften d. Elias Bachur gen. Levita, Leipzig 1856. 2) Grünbaum, Chrestomathie, S. 18; Steinschneider, Catal. Bodl., Nr. 1268. 3) Wolf, Bibl Hebr. I, S. 733. 4) Siehe MMeilg. zur jüd. Volkskunde XXVI, S. 84, Anm. e. 5) Grünbaum, Chrestomathie, S. 203 f. «) Ders., ebenda S. 25.