Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Journal
- Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Volume
- 11 (1908)
- Issue
- 3 (1908)
- Date
- 1908-01-01
- Page
- Seite 110 (sequence 22)
- Language
- German
- Belongs to
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— 110 — das erste Viertel des XVI. Jahrhunderts hinaufreichen, so werden wir mit Delitzsch und Karpeles „schon hierbei an eine Einwirkung des deutschen Geisteslebens denken müssen, das damals in Martin Luther einen Mann erstehen sah, der die deutsche Schriftsprache von neuem gebar"1). Inwieweit nun etwa Luthers Verdeutschung der Bibel oder die vor ihm verfaßten Übersetzungen biblischer Bücher auf die jüdisch-deutschen Bibelübersetzungen von Einfluß gewesen und umgekehrt, kann hier weder angedeutet noch entschieden werden. Einige Beiträge zur Beantwortung dieser überaus wichtigen Frage hat Grünbaum in seiner jüdischdeutschen Chrestomathie gegeben2); im ganzen jedoch steht dieses fruchtbare Gebiet noch der Erforschung offen, wohl wert der Mühe und des Fleißes der Gelehrten. Schon früh begann man bei den deutschen Juden die Bibel oder einzelne Bücher daraus ins Jüdisch-deutsche zu übertragen: so stammt ein Manuskript aus der Sammlung deEossi3), welches eine Übersetzung von Josua, Richter, Jona und von vier Megilloth4) enthält, bereits aus dem Jahre 1421 und soll, wie de Rossi vermutet, von polnischen Juden in Italien niedergeschrieben worden sein. Eine für eine Frau angefertigte Übertragung einzelner Bücher aus dem Jahre 1532 von Elieser ben Israel erwähnt Steinschneider in seinem Artikel „Jüdische Literatur" und verweist daselbst zum Beleg auf Zunz5).!) Delitzsch, Zur Gesch. d. jüd. Poesie, S. 80; Karpeles, Gesch. d. jüd. IM. H, S. 1006. 2) Grünbaum, Chrestomathie, S. 140 f. — Perl es teilt in Frankels Monatsschrift 1876, S. 367 mit, daß die äußerst ungelenke Übersetzung der 1544 zu Augsburg von Paulus Aemüius publizierten Ausgabe nicht die geringste Berührung mit der lutherischen Bibelübersetzung zeigt. 3) Jewish Encyclopedia III, S. 191 s. v. Bible Translations; Neubauer, Jewish Quarterly Review IV, S. 103; Steinschneider, Serapeum 1869, S. 149; Ders., Geigers Zeitschrift I, S. 286; Ders., Jewish Quarterly Review XVI, S. 761. 4) fiha, mkra [Meyülä PI. M.eyiRö&]: wörtlich Bolle, bezeichnet die Volumina das Hohelied, Buth, die Klagelieder Jeremias, der Prediger Salomo, Esther, welche an den fünf Festen: Pesach (Passahfest), Schebuoth (Wochenfest), 9. Ab (Gedenktag der Zerstörung Jerusalems), Sukkoth (Laubhüttenfest) und Purim (Fest der Lose zur Erinnerung an die Bettung der Juden, die im Buche Esther erzählt wird) vorgelesen werden. Megilla xar' e&xnv ist Name des Buches Esther, welches noch jetzt gleich der Tora für die gottesdienstliche Lesung in BoUenform geschrieben wird. 5) Zunz, Zur Geschichte, S. 274; Steinschneider, Jüdische Literatur, S. 458.