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Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde · 1908-01-01 · 3 (1908) · p. Seite 109

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Journal
Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
Volume
11 (1908)
Issue
3 (1908)
Date
1908-01-01
Page
Seite 109 (sequence 21)
Language
German
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— 109 — Sammlung des jüdischen Priesters Josua ben Siras ben Eliezer in Beziig auf die Bibel jene ewig-gültigen Worte: „Dies alles ist eben das Buch des Bundes, mit dem höchsten Gott gemacht, nämlich das Gesetz, welches Mose dem Hause Jakob zum Schatz befohlen hat. Daraus die Weisheit geflossen ist, wie das Wasser Pison, wenn es groß ist, und wie das Wasser Tigris, wenn es übergehet in Lenzen. Daraus der Verstand geflossen ist, und wie der Euphrates, wenn er groß ist, und wie der Jordan in der Ernte. Aus demselben ist hervorgebrochen die Zucht, wie das Licht, und wie das Wasser Nilus im Herbst. Er ist nie gewesen, der es ausgelernt hätte, und wird nimmermehr werden, der es ausgründen möchte. Denn sein Sinn ist reicher weder kein Meer und sein Wort tiefer denn kein Abgrund." Mit diesem Buche nun — wir sehen dabei von jeder dogmatischen oder rationellen Beurteilung ab — war der geschichtliche Entwicklungsgang des Judentums auf das engste verknüpft; sein Schicksal war das Schicksal des jüdischen Volkes, dessen Leben und geistige Bildung sich wiederspiegelte in dieser unvergänglichen „Urkunde des Menschengeschlechts". Und wie die Bibel, das Buch xar egoxfiv, den Unterbau bildet für alle Zweige der so reichen jüdischen Literatur, so wurde sie auch grundlegend für deren sekundäre Erscheinung, als welche wir das jüdisch-deutsche Schrifttum kennen gelernt haben. Wie wir wissen, hebt diese volkstümliche Unterströmung da- .mit an, daß man zunächst solche hebräische Werke übersetzte, bearbeitete, reproduzierte, die ihrerseits wieder auf die Bibel zurückgingen, deren Inhalt ganz und gar von der Bibel beeinflußt war, ja die überhaupt ihr Entstehen nur dieser verdankten1). Es ist deshalb nur zu natürlich, daß zunächst Bibelübersetzungen, Versionen und Glossare den Ausgangspunkt der jüdisch-deutschen Volksliteratur bilden, daher ich hier das wichtigste zusammenstellen möchte, ohne Anspruch auf Vollständigkeit zu erheben. Wenn wir uns ferner aus dem früher Gesagten2) das Alter dieser Literatur vergegenwärtigen, daß nämlich ihre ersten Anfänge nicht höher als bis in das Ende des XV. beziehungsweise x) Vgl. oben S. 99. — Lotze, Archiv f. lAteraturgesch. I, S. 90; Crrünbaum, Chrestomathie, S. 10; Sainean, Essai, S. 23 [112]; Karpeles, Gesch. d. jüd. Lit. II, S. 1006. 2) Siebe Mtteilg. zur jüd. Volkskunde XXVI, S. 80, 81.

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