Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Journal
- Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Volume
- 11 (1908)
- Issue
- 3 (1908)
- Date
- 1908-01-01
- Page
- Seite 105 (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
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z. B. dieser letztere Vielschreiber in dem langatmigen, über sechzig Seiten ausgedehnten „Fürtrag" seiner „Belehrung der Jüdisch- Teutschen Red- und Schreibart" „denen Theologis, Medicis, Handels-Leuten und insgemein Jedermann" im Vollbewußtsein seiner Gelahrtheit explizieret: „Mit keiner Sprach sind die Juden jemals / so / wie man zu reden pflegt / lästerlich / als mit unserer Teutschen umbgangen / dann sie haben solcher einen gantz frembden Thon und Laut gegeben / die guten teutschen Wörter gestümmelt / geradbrecht / verkehret / neue uns unbekandte erdacht / wie auch / unzählich viel Hebreische Wörter und Red- Arten in das Teutsche gemischet / daß solcher gestalt / wer sie Teutsch reden höret / nit änderst glaubt / als / sie reden pur lauter Hebreisch / indem fast kein einiges Wort verständlich fürkommet. Auch haben sie in dieser Kauderwelschen und vermischten Sprach / eine / nit geringe Menge / geistlicher und weltlicher Bücher mit Hebreischen Buchstaben drucken lassen / und werden deren noch täglich mehr gedrucket"!). Auch Joh. Jakob Schudt läßt der jüdisch-deutschen Sprache und Literatur keine vorurteilslose Würdigung zu teil werden, wenn er in seiner dickleibigen Chronik „Jüdische Merkwürdigkeiten" schreibt: „Das vierdte Hebräische ist das so genannte Juden-Teutsch oder Hebräisch-Teutsch / welches eigentlich Teutsch / aber ziemlich grob und verdorben Teutsch ist / mit vielen untermischten Hebräischen Worten / und ist der Charakter barbarus, die Buchstaben unzierlich / grob und gegen das Bibel- und Rabbinisch- Hebräisch recht bäuerisch sind / wird auch ohne Punckten oder Vocalen gelesen____ In diesem Charaktere und Schreib-Art sind unzehlich viele und mancherley Bücher / um der Weiber und ungelehrten Juden willen / im Truck herauskommen / so wohl in geistlichen Sachen / da sie sonderlich das so genannte Zennorenna haben /___allwo ein recht Sentina und Zusammenlauff aller abgeschmackter Jüdischer Fabeln und verkehrter Auslegungen der Rabbinen zu finden / für die ungelehrten Juden und Weiber"2). Wenn wir endlich bei einigen Grammatikern, welche sich in ihren Werken „de dialecto hebraeo-germanico" geäußert haben3), 1) Wagenseil, a.a.O. S. VII. 2) Schudt, a.a.O. VI, S. 2881 3) Grammatische Werke üher den jüdisch-deutschen Dialekt sind verzeichnet bei: Wolf, Bibl. JELebr. II, S. 593—4; Ave-Lallemant, Das deutsche Gauner- Mitteilungen zur jüd. Volkskunde. Heft XXVII. Jahrg. 1908. Heft 3. 3