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Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde · 1908-01-01 · 3 (1908) · p. Seite 104

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Journal
Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
Volume
11 (1908)
Issue
3 (1908)
Date
1908-01-01
Page
Seite 104 (sequence 16)
Language
German
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-LU* Poesie*) eifrig gepflegt wurde, so haben wir damit in allgemeinen Umrissen eine Skizze von Inhalt und Umfang der bis in die neueste Zeit immer weiter ausgebildeten jüdisch-deutschen Volksliteratur, zugleich ein Beispiel, welchen gewaltigen Prozeß der Assimilation das Judentum innerhalb derselben durchlebt hat. Jüdisch-deutsche Sprache und Literatur im Urteil einiger Gelehrten; ihre Bedeutung für die deutsche Sprach- und Literaturforschung. Spät erst ist der jüdisch-deutschen Literatur und Sprache die Anerkennung zu teil geworden, welche ihr als historisches Denkmal deutscher Vergangenheit gebührt. Aber wir werden den Hauptgrund dafür, daß sie lange Zeit entweder ganz unbeachtet bleiben oder so falsch beurteilt werden konnte, mit Hermann Lotze in der parteiischen Voreingenommenheit des Christen zu suchen haben, der alles das, was das Judentum betraf, im Leben wie in der Wissenschaft hochmütig ignorieren zu dürfen glaubte, ohne jedoch die geistigen Keime im Schöße desselben vernichten oder seiner freien Entwicklung auf die Dauer Einhalt tun zu können2). Es ist rührend zu verfolgen, wie das Judentum, dem sittlichen Grundsatz treu, lieber Unrecht zu leiden als solches zu tun, gerade die Kultur in sich aufnahm und seinerseits dankbar förderte, durch welche es, wie die Spottliteratur des XV. bis XVII. Jahrhunderts bezeugen kann, bei jeder Gelegenheit verspottet, vernachlässigt und gebrandmarkt wurde3). Es darf uns deshalb nicht wundern, wenn Männer wie Schudt und Wagenseil, die sich Ende des XVII. Jahrhunderts schon mit jüdisch-deutscher Literatur und Sprache befaßt haben, ihr in der Beurteilung durchaus nicht gerecht werden, wenn!) Ich erwähne z. B. die zahlreichen Purimspiele, welche am Abend des Purimfestes aufgeführt wurden. Vgl. darüber: Schudt, Jüdische MerckivürdigkeitenUI, S. 2021,226f.; Ave-Lallemant, Das deutsche Gaunertum III, S. 491 f.; Delitzsch, Zur Gesch. d. jüd. Poesie, S. 81—2; Steinschneider, Serapeum 1848, S. 318, 320, 368; 1864, S.^39, 78; Ders., Purim und Parodie (Frankels Monatsschrift 1903), S. 841,169—70; Lotze, Archiv f. IAteraturgesch. I, S. 91—2; Karpeles, Gesch. d. jüd. Lit. H, S. 10251; Weißenberg, Mitteilg. d. Ges. f. jüd. Volkskunde XIII, S. 11; Landau, ebenda S. 291; J. J. David, Bühne und Welt, IX, S. 1551; Bing, Frankfurter Zeitung, 1908, Nr. 77. 2) Lotze, Archiv f. Literaturgesch. I, S. 93. 3) Frankl, Der Jude in den deutschen Dichtg. des XV. XVI. u. XVII. Jahrh.} S. 431; Liebe, Das Judentum in d. deutschen Vergangenheit, S. 59»

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