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Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde · 1908-01-01 · 3 (1908) · p. Seite 103

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Journal
Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
Volume
11 (1908)
Issue
3 (1908)
Date
1908-01-01
Page
Seite 103 (sequence 15)
Language
German
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— 103 — Güdemann, daß wir zu der Annahme berechtigt sind, die deutsche Literatur im Mittelalter habe in jüdischen Kreisen verhältnismäßig mehr Leser gehabt als in christlichen, weil nämlich jeder Jude hebräische Buchstaben, aber nicht jeder Christ deutsche lesen konntex). So finden wir, um nur einige dieser Werke hervorzuheben, die Sagen von „König Artus"2), „Herzog Emst", eine Erzählung „Genannt mit Namen Herr Dietrich (Sigenot)"3), „Die Liebschaft von Floris und Blancheflur", die Volksbücher von den „Schildbürgern", „Till Eulenspiegel" und andere mehr 4) auch in der jüdisch-deutschen Belletristik vertreten. Erwähnen wir nun noch, daß die. Juden auch an der romanischen Ritter- und Volksdichtung teilgenommen haben, aus der das bekannte „Bababuch"5) des Elia Levita hervorging, und daß auch das historische Volkslied6), sowie die dramatische von Kühen [wahrscheinlich die Fabeln von Berachja und Isaak Sahula, welche 1555 von Abraham ben Matatja unter dem Titel „Kuhbuch" vereinigt wurden; vgl. Steinschneider, Jüdische Literatur, S. 463] un' von Ditrich von Bern un' Meister Hildabrant sollt ir ach euch nit tun müen, nun es sein wärlich eitel Schmitz, sie geben euch nit Warem noch Hitz, ach sein sie nit gettlich darbei, ir bedarft wol, as euch's Gott verzeih, unsre Seforim (heil. Bücher) schreiben es is ein Sint as ein Haus, zu leienen an dem heiligen Schabbes daraus, wellt ir euer Zeit mit Leienen vertreiben, aso will ich ein sehen Maasebuch schreiben." Siehe Steinschneider, Serapeum 1866, S. 3; Ders., Sehr. Bibl. VITT, S. 17; Ders., Archiv f. Literaturgesch. II, S. 20. — Sainean, Essai, S. 29 [118]f. erwähnt gleichfalls dieses Vorwort, jedoch an zwei Stellen abweichend: „aus den Bücher4' und „es is ein sint an ein haus". Vgl. auch Löwenstein, Allg. Ztg. d. Judentums 1872, S. 560. 1) Güdemann, Erziehungswesen, S. 158. 2) Wagenseil, Belehrung der Jüdisch-Teutschen Bed- und Schreibart, S. 149f.; Wirnt von G-ravenberch, Wigalois (her. von Benecke), S. XXIXf.; Steinschneider, Serapeum 1849, S. 43; Ders., Catal, Bodl., Nr. 6024; Karpeles, Gesch. d. jiid. Lit. II, S. 1022—3; Frankel, Allg. deutsche Biographie XLIH, S. 663 f. s. v. Witzenhausen. 3) Siehe Mitteilg. zur jüd. Volkskunde XXVI, S. 84, Anm. y. 4 Vgl. Steinschneider, Catal. Bodl, Nr. 3389, 4065 und die oben S. 97, Anm. 1 u. 2, S, 98, Anm. 2 zitierten Werke. 5) Zedner, Sehr. Bibl. VI, S. 22—3; Steinschneider, Catal. Bodl, Nr. 4960; Ders., Archiv f. Literaturgesch. II, S. IS; Karpeles, Gesch. d. jüd. Lit. II, S. 1021; Sainean, Essai, S. 30 [119]f.; Fürst, Bibl. Jud. II, S. 241 s. v. Eliah Levita. 6) Wagensei 17 Belehrung der Jüdisch-Teutschen Bed- und Schreibart, S. 119; Steinschneider, Serapeum 1848, S. 3501, 363f.; Eosenberg, über eine Sammlung deutscher Volks- und Gesellschaftslieder in hebr. Lettern, S. 74f.; Neubauer, Bev. des Etudes juives V, S. 147f.; Karpeles, Gesch. d. jüd. Lit. H, S. 1023.

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