Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Journal
- Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Volume
- 11 (1908)
- Issue
- 3 (1908)
- Date
- 1908-01-01
- Page
- Seite 102 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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— 102 — kann, so namentlich die späteren Heldensagen, welche sich den Sagenkreisen der Nibelungen und des Heldenbuches anschließenx). Ja, diese Werke wurden fast wörtlich übernommen und nur insofern geändert, als etwa religiöse Bedenken dazu Veranlassung gaben2). Und wenn ich auch, trotz meiner obigen Gruppierung, die Frage offen lassen möchte, inwieweit diese weltliche Volkspoesie, bei der oft das äußere Gewand den einzigen jüdischen Bestandteil ausmacht, zur jüdisch-deutschen Literatur zu rechnen ist3), so schließe ich mich doch ganz dem Urteil von der Hagens an, „daß die jüdisch-deutsche Literatur, als eine innerhalb der altdeutschen ritterlichen Helden- und Volksliteratur merklich alte und volksmäßige, wesentlich zur vollständigen Geschichte aller dieser Dichtungen gehört"4). Denn es gibt fast keinen Stoffkreis der noch im XVII. Jahrhundert so beliebten deutschen Volksbücher, in den nicht auch jüdisch-deutsche Schriftsteller eingedrungen wären, um ihn für ihre Leser zu verarbeiten. Ein äußerst dankbares Publikum aber war überall vorhanden, so daß nicht selten Eabbiner in den Vorworten, die sie den ethisch-religiösen Werken der jüdisch-deutschen Literatur mit auf den Weg gaben, gegen eine so weltliche, jedes sittlichen Einflusses bare Lektüre eifern mußten5). Sehr richtig bemerkt deshalb sehen Juden im Mittelalter, S. 126f.; Karpeles, Gesch. d.jücl. Lit II, S. 1020f.; Grünbaum, Die jüdisch-deutsche Literatur, S. 2—3; Fromniann, Am. f. Kunde d. deutschen Vorzeit XV, S. 127f.!) Von der Hagen, Romantische u. Volksliteratur d. Juden, S. 10—11. 2) Z. B. in dem jüdisch-deutschen Druck des Sigenot [vgl. Mitteilg. zur md. Volkskunde XXVI, S. 84, Anm. y]; Prommann, Anz. für Kunde d. deutschen Vorzeit XV, S. 127; Perles, Frankels Monatsschrift 1876, S. 3521 3) Grünbaum, Die jüdisch-deutsche Literatur, S. 4; Steinschneider, Sehr. Bihl. VIH, S. 15, 16. 4) Von der Hagen, Romantische u. Volksliteratur d. Juden, S. 11. 5) „Daß übrigens jene Bücher profanen Inhalts auch ihr Publikum fanden — und ein größeres vielleicht als die ethisch-religiösen Inhalts — ersieht man schon aus der Vorrede Cornelio Adelkinds zu Levitas Psalmenübersetzung, in welcher er sagt, er habe Levita zu dieser Übersetzung veranlaßt zu Nutz und Frommen der Frauen und derjenigen Männer, die in ihrer Jugend keine Zeit hatten Hebräisch zu lernen, welche aber an Sabbat und Feiertagen lieber derartige „göttliche" Bücher lesen wollen als „Titrich von Bern" oder „Der Schönen Glück". Siehe Grünbaum, Die jüdisch-deutsche Literatur, S. 4. Ein ähnliches Vorwort teilt Steinschneider verschiedene Mal aus dem Maasebuch, Basel 1602, mit. Da ich das Werk nicht aus Autopsie kenne, zitiere ich nach der Transkription Steinschneiders: „Drum ir liben Mannen un' Frauen, leient ir oft daraus so wert ir drinnen behauen um nit zu leienen aus dem (sie) Bicher