Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Journal
- Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Volume
- 11 (1908)
- Issue
- 3 (1908)
- Date
- 1908-01-01
- Page
- Seite 101 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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— 101 — buch"1), d. h. eben Geschichtenbuch! Es ist ein Sammelwerk mit Sagen und Märchen ans aller Herren Ländern, nicht zuletzt dem deutschen Sagenkreise angehörig, vielfach bearbeitet, umgebildet, mit midraschischen2) und talmudischen Legenden durchsetzt, und dabei mehr oder weniger alle auf eine moralisch-religiöse Tendenz hinauslaufend. Hatten sich schon alle diese genannten Schriftwerke einer großen Beliebtheit beim Volke zu erfreuen, wie die zahlreichen Auflagen und Nachdrucke beweisen3), so in gleichem Maße, ja vielleicht noch mehr, die als Vertreter der dritten Hauptgruppe innerhalb der jüdisch-deutschen Poesie aufzuführenden profanen Unterhaltungswerke mit ihren spannenden Abenteuern, Eührszenen und bunten Schwänken. Diese in keiner Weise originale, sondern nur reproduktive Literatur steht ganz und gar unter dem Einfluß der deutschen Volksbücher4), aus deren Bereiche sie alles herbeizieht, was nur irgendwie den gewünschten Erfolg an Unterhaltung gewährleisten!) Helwig, Jikl. Historien, Gießen 1617 [vgl. dazu Löwenstein, Allg~ Ztg. d. Judentums 1872, Nr. 28—30]; Steinschneider, Catal Bodl, Nr. 3893— 3941; Ders., Serapeum 1864, S. 65f., 1866, S. Ii; Ders., Archiv f. Literaturgesch. II, S. 20; Ders., Sehr. Bill. VIII, S. 17 [vgl. w. u. S. 102, Anm. 5]; Ave- Lallemant, Das deutsche Gaunertum DI, S. 449f.; Grünbaum, Chrestomathie, S. 3611; Karpeles, Gesch. d. jüd. Lit. II, S. 1019f.; Sainean, Essai, S. 29 [118]f.; Köhler, Germania XI, S. 393f.; Ders., Jahrbuch f. rom. u. engl. Literatur VII, S. 33 f. — Jeioish Encyclopedia TRI, S. 236—7 s. v. Mdaseh books. 2) Termini wie midraschisch, haggadisch, Megilloth u. a. sind zwar im aUgemeinen sehr geläufig, da aber nur wenige ihren Sinn richtig kennen dürften, habe ich es vorgezogen, diese elementaren Begriffe der Talmud- und Bibelliteratur an vorkommender Stelle je einmal in den Anm. kurz zu erklären. tt^p [Mi&räs]. In konkretem Sinne bezeichnet Midrasch (PI. Mdraschim) Schriften, die an den Bibeltext sich anlehnend und ihn erläuternd darum oft als exegetisch bezeichnet werden, deren Inhalt aber zum größten Teil erbaulich, aus Predigten und Legenden zusammengestellt ist. Ausführliches über die Midraschliteratur siehe bei Strack, Midrasch (Eealencyklopädie f. protestantische Theologie, herausg. von Herzog-Hauck XIII), S. 784f. 3) Frankl erwähnt, daß das bekannte Seena u-Reena in hundert Jahren 26 Auflagen erlebte. Vgl. Frankels Monatsschrift 1885, S. 153. — Vom Maasebuch, dessen erste Ausgabe Basel 1602 veröffentlicht wurde, erschienen folgende erste Nachdrucke: Basel 1662, Amsterdam 1701, Frankfurt a. M. 1703, Frankfurt a. 0. 1704, Berlin 1709, Rödelheim 1753, Wilmersdorf s. a. und. andere. Vgl. Steinschneider, Catal. Bodl., Nr. 3893—3941. 4) Delitzsch, Zur Gesch. d. jüd. Poesie, S. 801; Steinschneider, Archiv f. Literaturgesch. II, S. 18f.; Rosenberg, Über eine Sammlung deutscher Volks- und Gesellschaftslieder in hebr. Lettern, S. 7; Berliner, Leben d. deut-