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Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde · 1908-01-01 · 3 (1908) · p. Seite 100

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Journal
Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
Volume
11 (1908)
Issue
3 (1908)
Date
1908-01-01
Page
Seite 100 (sequence 12)
Language
German
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— 100 — biblischer Bücher wie der Könige, Kichter, Josua und anderer1), so daß ihre Verfasser nie verabsäumen, im Vorwort oder Titel empfehlend darauf hinzuweisen, daß sie ihr Werk im Ehythmus und Eeim des Samuelbuches verfaßt hätten2). Denn wie einst die Blütezeit der deutschen Epik in der Übergangsepoche des XLY. und XV. Jahrhunderts durchaus nicht der Vergessenheit anheimfiel, sondern ihre Erzeugnisse von neuem abgeschrieben und bearbeitet wurden, so wurde auch das Samuelbuch, das sich an jene späteren Epen anlehnt, immer wieder als vorbildliches Muster vervielfältigt, bearbeitet, ausgezogen und nachgeahmt. Die zweite Gruppe ist durch die geschichtliche Literatur vertreten, durch Geschichten- und Märchenbücher, die den Übergang zur profanen Unterhaltungslektüre bilden. So übertrug man den „Jostppon" in die jüdisch-deutsche Sprache3), und" dieses Werk mit seinen etwas plumpen Holzschnitten, auf denen Kaiser und Könige abgebildet sind, ward so recht dazu berufen, ein viel verlangtes und belehrendes Volksbuch zu werden. Auch verfaßte man in späterer Zeit selbständige Chroniken, zum Beispiel das „Scheerith Israel"4) und andere, in denen man Begebenheiten aus der Geschichte der Juden wie aus der allgemeinen Weltgeschichte schlicht vortrug. Und welche Fülle von Erzählungen, wohl über dreihundert, bietet nicht allein schon das unsterbliche „Maase-!) Siehe S.116; Wolf, Bibl. Hehr. IV, S.199; Steinschneider, Catal. Bodl, Nr. 1233, 1235. 2) Sogar Werke in einfacher Reimprosa tragen im Vorwort den Vermerk, daß sie im Versmaß des Samuelbuches abgefaßt worden seien. Z. B. schreibt die Herausgeberin des Psalmenbuches von Mose Stendal, Krakau 1586, sie habe in Hannover das Tehillimbuch gefunden und fährt dann fort: xsSiurb "ftt baemxo )^ •pa 'm asn 'm b5m wv^u spa taih iTOBia üot "nn n ds hära/2 rabbi Möse Stendl hpt 'u^f teits gemcht 5un' dem reim 3un' 'in nign (Melodie) fon SeimYel buch getrcht. — Vgl, dazu: Wagenseil, Mose Rabbi Stendels nach Jüdisch-Teutscher Red-Art vorlängst in Reimen gebrachte Psalmen Davids, Leipzig 1705; Wolf, Eibl. Sebr. I, S. 314, 900; IL, S. 457; Steinschneider, Catal. Bodl., Nr. 1280; Ders., Serapeum 1849, S. 108; G-rünbaum, Chrestomathie, S. 85f.; Karpeles, Gesch. d. jüd. Bit. II, S. 1013. 3) Nach dem von Joseph b. Gorion verfaßten hebräischen Josippon. Vgl. dazu Steinschneider, Serapeum 1848, S.347; Ders., Catal. Bodl, Nr. 6033; Grünbaum, Chrestomathie, S. 345f.; Karpeles, Gesch. d. jüd. Lit. II, S. 1017—18; Sainean, Essai, S. 29 [118]. — Zu dem hebr. Werk vgl. Schürer, Gesch. d. jüd. Volkes im Zeitalter Jesu Christi I, S. 159 f. 4) Sainean, Essai, S. 29 [118]; Grünbaum, Chrestomathie, S. 3611; Steinschneider, Catal. Bodl, Nr. 4576; Karpeles, Gesch. d. jüd. Lit. II, S. 1018.

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