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Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde · 1908-01-01 · 3 (1908) · p. Seite 99

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Journal
Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
Volume
11 (1908)
Issue
3 (1908)
Date
1908-01-01
Page
Seite 99 (sequence 11)
Language
German
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— 99 — die gelesensten waren. Sie alle dienten zur Belehrung des Verstandes, zur Erbauung des frommen Herzens. Da nun der Jude von seinen deutschen Brüdern vernachlässigt und zurückgestoßen,, auch von der Teilnahme an ihren meist öffentlichen Festen und Vergnügungen ausgeschlossen war, so mußte er sich naturgemäß durch die Unterhaltungslektüre entschädigen, daher wir schon diese in der ersten Gruppe vertreten finden, indessen doch so, daß dieselbe nie rein als solche, sondern immer mit einer gewissen moralischen Tendenz verbunden auftritt. Zu den Erzeugnissen dieser Art rechnen wir haggadische *) Deutungen und Ausschmückungen, wie man sie beispielsweise später im „Teutsch- Chornesch"2) und dem bekannten „Seena u-Beena"3) vereinigte, dessen Titel, gleichsam ein Motto, jenen Versen des Hohenliedes „Geht hinaus und sehet, ihr Töchter Zions" entnommen war, und welches lange Zeit die begehrteste Frauenlektüre bildete. Aber noch andere Werke gehören hierher: die umfangreichen, meist in der Nibelungenstrophe gedichteten biblischen Epopöen, das sind poetische Bearbeitungen der Bibel4), die einerseits in der Erfindung viel Originalität zeigen, andererseits in ihrer ganzen Anlage und Ausführung, in Sprache und Stil den unleugbaren Einfluß der deutschen Epik des XIV. und XV. Jahrhunderts erkennen lassen5). Dem bekanntesten Werke dieser Gattung, dem sogenannten „Sarnuelbuch"6) oder populär „Schmuelbuch", ist die ereignisreiche Geschichte vom Leben Davids, wie sie die Bücher Samuelis erzählen, zu Grunde gelegt. Ja, dieses beliebte Buch wurde zugleich vorbildlich für eine Eeihe ähnlicher Bearbeitungen 1) Siehe Mitteilg. XXVII, S. 101, Anm. 2; S. 113, Anm. 4. 2) Steinsehneider, Archiv f. Literaturgesch. II, S. 17; Ders., Serapeum 1869, S. 149, Anm. 8; Karpeles, Gesch. d. jiid. Lit II, S. 1010. — Jewish Encyclopedia III, S. 191 s. v. Bible translations. 3) Schndt, Jüdische Merkwürdigkeiten [vgl. unten S. 105]; Grünbaum, Chrestomathie, S. 192f.; Neubauer, Rev. des Etudesjuives V, S. 145; Karpeles, a. a. 0.; Sainean, Essai, S. 25 [114]f.; Steinschneider, Serapeum 1849r S. 30; Ders., Catal. Bodl., Nr. 5545; Frankl, Frankels Monatsschrift 1885, S. 153—4. — Jewish Encyclopedia III, S. 191. . 4) Siehe S. 1151; Delitzsch, Zur Gesch. d. jüd. JBoesie, S. 81; Steinschneider, Jüdische Literatur, S.459; Ders., Archiv f. Literaturgesch. II, S. 14» 5) Lotze, ebenda I, S. 91; Rosenberg, Uber eine Sammlung deutscher Volks- und Gesellschaftslieder in hebr. Lettern, S. 7—8; Von der Hägen, Romantische u. Yolksliteratur d. Juden, S. 11. 6) Siehe S. 116 u. zweite Forts, d. Abhandig. 2*

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