Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Journal
- Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Volume
- 11 (1908)
- Issue
- 3 (1908)
- Date
- 1908-01-01
- Page
- Seite 96 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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— 96 — Arienstüek gesungen, wurde das Maribgebet verrichtet. Wir hatten große Ehre, denn städtische und bischöfliche Herrschaften wohnten der Feier bei." Aus Preßburg* aber wissen wir aus den Briefen der Erzherzogin Marie Louise, der späteren Gemahlin Napoleons L, daß. als sie 1802 die dortige Synagoge besuchte, diese hell erleuchtet war, und daß die Juden nach jedem Psalm unter Begleitung von vielen Trompeten und Pauken derart laut Viyat riefen, „daß mir dies tic-tac in der Brust machte."x) Wenn nun schon das laute Vivatrufen der Erzherzogin „tic-tac in der Brust machte", wie wäre es ihr da erst gegangen, wenn sie Ohrenzeugin des zu Mannheim 1747 gelegentlich der Rückkehr der Gemeinde abgehaltenen Festgottesdienstes gewesen Wäre, „bei dem ein Glückwunsch und Lob-Gesang in der Synagog Jüdischen Ceremonien gemäß nach vorheriger Ablesung des XXIten und XLVten Psalmen Davids, unter einer vortrefflichen Music und gnädigst erlaubter 3 mahliger Abfeuerung derer Canonen abgesungen" wurde.2) Waren bei den hier angeführten Veranstaltungen, auch da, wo dies nicht ausdrücklich gesagt wurde, vermutlich ausschließlich jüdische Musikanten tätig, so bediente man sich bei solchen Gelegenheiten, dort, wo keine solchen vorhanden waren, auch christlicher Musikanten, wie dies bei der am 23. Dezember 1756 durch den Eabbiner Lewin Marcus erfolgten Einweihung der Königsberger Synagoge der Fall war, bei welcher die Stadtmusik den Gesang der Psalmen und den Umzug der Gesetzesrollen begleitete.3) Wenn nun die Verwendung musikalischer Instrumente, in allen hier erwähnten Fällen, abgesehen von Prag, ausschließlich bei besonders veranstalteten Festgottesdiensten stattgefunden, so ist doch Musik auch bei dem Gottesdienst am Freitag Abend durchaus nicht bloß auf Prag beschränkt geblieben, und B. Müller4) „kann sich erinnern, wie in seiner Geburtsstadt, einer der frömmsten Gemeinden des Kaiserstaates, das „Lecho Dodi" am Freitag Abend unter Begleitung jüdischer Musikanten zur Sabbathfeier ist gesungen worden". 1) Zeit d. Judent. 1889, S. 827. 2) Titelblatt des „Glückwunsch und Lobgesang." 3) Jolowicz, Geschichte der Juden in Königsberg, S. 91. 4 Wertheimers Jahrbuch 1854/55, S. 186. (Fortsetzung folgt.)